So darf ich sein
Ich bin ein gewachsener Baum,
meine Borke ist dick und krustig,
meine Wurzel tief verzweigt.
Gerade gestern hat eine Kinderhand
mit einer zarten scheuen Fingerkuppe
über das getrocknete Harz gestrichen,
das aus dem Riss meiner Rinde floss,
damals, als die grobe Wunde
mich noch still leidend tränen liess.
Wenn der Schmerz weicht,
macht es mir keine Angst mehr,
nicht im Boden versinken zu können.
Erstaunt stelle ich fest:
Ich will leben und berührt werden.
Von Kinderhänden, Wind und Wetter.
Ich fühle staunend, wie ich atme.
Ganz offensichtlich soll ich sein.
(c) Thinkabout, 20.06.2007

Killakami · 6. August 2008, 16:10 · #
Lieber Thinkabout,
zuerst danke für deine Antwort. Als ADSlerin fällt es mir schwer heute den rechten Ernst aufzubringen mich gewissenhaft durch deine Seite zu arbeiten, aber darum geht es dir wahrscheinlich auch gar nicht und mir auch nicht.
Warum ich eigentlich kommentiere ist das Lob, das ich dir für die letzten beiden Zeilen aussprechen möchte.
Es hat etwas sehr existenzialistisches und ist lebensbejahend ohne übermäßig otimistisch zu sein.
Bravo. Das gehört aufs tshirt genagelt v.a. für sich selbst Abwertende. Mal sehen was ich noch so finde..
Thinkabout · 6. August 2008, 23:23 · #
Nun, liebe Killakami – wenn Du Dich bis hierhin gelesen hast, dann ist es um Deine Ernsthaftigkeit nicht so gar mangelhaft bestellt, wie Du glauben magst.
Und Du hast mir mit Deinem Kommentar meinen Text selbst wieder gezeigt.
Manchmal schreibt man, und ist über das Resultat so erstaunt, weil man wie sein erster Leser auch Neues über sich selbst erfährt. Es ist erstaunlich, was in uns verborgen ist und auf Entdeckung wartet.
Und so sage ich ohne Scheu, dass mir dieser mein Text nach wie vor auch selbst sehr gut gefällt.