Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Wuchern auf Pump

∞  26 November 2008, 07:04

Jedem sein Haus. Jedem seine Kreditkarten.
Alles auf Pump.
Bis das System zusammen kracht.
Und jetzt?
Muss der Staat die Schulden übernehmen. Und neues Geld hinein pumpen. Wofür?
Damit wir hoffentlich möglichst schnell wieder auf Pump Geld ausgeben. Das System wieder läuft. Das einzige, das wir noch kennen… Wenn in einer Gesellschaft wie den USA zu 75% auf Pump konsumiert wird, dann gibt es kein Zurück. Und irgendwie bedeutet das im Endeffekt, dass der Knall jedes Mal noch grösser sein wird.

Wenn Konjunkturforschungsinstitute der Schweiz noch vor einem Monat nur eine Abschwächung des Wachstums prognostizierten, aber keine Rezession, so begründeten sie das mit der intakten Konsumlust. Nicht mal diese Herren konnten oder wollten sich vorstellen, dass es Ihnen und mir, also der Wirtschaft, ungeheuer werden könnte und wir tatsächlich aus dem Konsumrausch erwachen würden.

Unser Götze heisst Wachstum. Wir idealisieren das Mehr. Setzen es mit Entwicklung gleich. Lässt man uns freie Hand, so beginnen wir zu wuchern.

Wann beginnt die Debatte, was wir denn mit unserem globalen Dorf anfangen wollen, wenn der Brand einmal gelöscht sein wird? Werden wir über Entwicklungsmodelle diskutieren, Drosselung und Regulierung für langfristige Prosperität aufrecht erhalten wollen oder gar können?

Wohl kaum. Den nächsten Gongschlag wird dann vielleicht die Umwelt setzen.





abgelegt in den Themen
Gesellschaft
und
Erdlinge



sich den Kopf zerbrechen? bitte nur so weit, dass sie nicht zusammenbrechen


  1. Titus · 26. November 2008, 14:13 · #

    Der Drang nach Wachstum, nach “mehr”, liegt wohl in unserer Natur. Wachstum an sich muss nicht schlecht sein. Nur: Da die natürlichen Ressourcen beschränkt sind, kann materielles Wachstum nicht ewig andauern – oder aber das Materielle wird überbewertet, bekommt einen immateriellen Wert.

    Bedauerlich ist auch, dass das noch kein Politiker erkannt hat oder dass das in der Politik keine Mehrheit findet.

    Bedauerlich ist, dass unsere Gesellschaft immer nur aufs Materielle fixiert ist und niemand z. B. ein geistiges oder seelisches Wachstum propagiert – auch eine Form, unseren Wachstumsdrang zu befriedigen…

  2. Menachem · 26. November 2008, 22:12 · #

    Auch beim geistigen oder persönlichem Wachstum würde ich die Möglichkeit der Gier nicht absolut verneinen. Wie du schon sagst,@Titus, es liegt wohl in unserer Natur.

  3. Thinkabout · 27. November 2008, 00:21 · #

    @Titus:
    Was mich beschäftigt, ist, dass der Mensch mit seinem Verstand nicht viel anders als das Instinktwesen Tier nach Vermehrung und Wachstum strebt – und es uns nicht einmal gelingt, diese Kraft umzulenken auf die Bedürfnisse unserer Lebensgrundlage, also der Erde. Was braucht es, um das Prinzip der Nachhaltigkeit ins Zentrum der Forschung zu stellen?

  4. Titus · 27. November 2008, 01:20 · #

    Strebt er nach Vermehrung und Wachstum? Ist es nicht der Wunsch nach Anerkennung in irgendeiner Form (für den einen oder anderen kann auch ein hohes Einkommen eine Form von Anerkennung sein oder mittels teurem Auto erhofft man sich Anerkennung/Beachtung)?

  5. SeelenLeerer · 27. November 2008, 17:33 · #

    Lieber Thinkabout
    Was es braucht?
    Schlicht und einfach die Abschaffung unserer Form der Wirtschaft.

    Zu krass formuliert?
    Dann überleg einmal was die Grundlage unserer Wirtschaft ist? Das Zinssystem bedingt, dass es Wachstum geben muss, denn der Kapitalgeber muss ja letztendlich daran verdienen, ohne dafür zu arbeiten. Quasi den Rahm obendrauf abschöpfen. Dieses Abschöpfen muss auf anderer Ebene nachgefüllt werden. Darum ist Wachstum die Grundbedingung dieses Systems. Wir können gar nicht anderst.
    Im 1. Jahr sind es 4% von 100 Franken. Im 2. sind es 4% von 104 Franken. Solch eine Kurve steigt erst langsam an und wird dann immer Steiler.
    Wenn es nicht so wäre, würden wir nicht auf eine 2/3 Gesellschaft zusteuern.

    Zudem lässt sich an innerem Wachstum und Zufriedenheit schlecht verdienen, wenn der Zustand erst einmal erreicht ist. Niemand ist wirklich an Befreiung interessiert, denn Befreite sind nicht kontrolierbar.

  6. SeelenLeerer · 27. November 2008, 17:44 · #

    Kleiner Nachtrag:
    Rettung naht ungefähr 2011. Nachzulesen unter
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29171/1.html

  7. Thinkabout · 28. November 2008, 20:54 · #

    @Seelenleerer:
    Ich kann in diesem Fall Deine Ansichten nicht teilen – weder die Herleitungen noch die Schlussfolgerungen.
    Ich bin mit der (muslimischen?) Lehre der möglichst zinsfreien Gesellschaft zu wenig vertraut. Dennoch sage ich, dass massvoll verzinste Darlehen eine der Quellen unserer Wirtschaft sind, die sehr wohl sehr gut funktionieren und auch angebracht sind – gerade dort, wo eine gewisse Teuerung damit wenigstens ausgeglichen werden kann. Faktisch richtet sich eine dem Markt ausgesetzte Verzinsung immer in einer gewissen Bandbreite nach der Inflation und dienst damit auch der Sicherheit vor der Geldentwertung (oder sollte es tun). Unsere gesamte Altersvorsorge beruht im übrigen mit auf diesem Prinzip. Dass der Kapitalgeber dafür nicht arbeitet, ist für sich so festgestellt, Verzeihung, Blödsinn bzw. unerheblich. Indem er Geld verleiht, schenkt er – gegen Sicherheiten – auch ein gewisses Mass an Vertrauen (Risikopotential).
    Verstehe mich richtig: Ich führe hier nur die Grundmotivationen des Systems in die richtigen Relationen, ich rechtfertige keine Auswüchse wie Knebelverträge und Wucherzinsen. Aber in der Grundanlage ist gegen eine Verzinsung eines Darlehens nichts einzuwenden. Die Alternative dazu wäre eine Gewinnbeteiligung. Es dürfte viele Start Ups geben, die sich lieber Darlehnsgeber ins Boot holen statt weitere Teilhaber. Das wäre ja die Alternative – genau so wie kaum ein Hausbesitzer statt eines Hypothekarzinses möchte, dass die Bank einen Teil der Wertsteigerung des Objektes für sich beansprucht.

    Ich weiss, oder kann erahnen, dass diese von mir angebrachten Korrekturen für Dich eben Teil des Problems sind und Du Dir eine “gewinnwertfreie” Gesellschaft vorstellst. Mir ist die Sicherung unserer politischen Gemeinschaft und damit die Einflussnahme auf das bestehende System in diese Fall aber wichtiger als der grosse Utopie-Entwurf, zumal ich glaube, dass, wenn wir die Welt positiv korrigierend verändern und damit erhalten wollen, wir uns die Mechanismen des existierenden Systems umgekehrt zu Nutzen machen müssen.

    Wenn die gleichen Antriebe, die uns Tamagochis oder Gummibärchen produzieren (und zuvor erfinden) liessen, in die Förderung von alternativen Energien und nachhaltig schonende Antriebssysteme umleiten könnten, wenn wir unsere Anreize ändern, aber unseren Hang zur Erweiterung, Vermehrung etc. in diesem Sinne einsetzen könnten, wenn wir gar nicht genug bekommen könnten von grünen Lungen und klaren Bergflüssen, dann…
    Das ist doch wirklich schon Utopie genug, oder?

  8. SeelenLeerer · 2. Dezember 2008, 12:04 · #

    Lieber Thinkabout
    Du sprichst von Utopien.
    Wenn ich mir so durch den Kopf gehen lasse, was in den letzten Jahren über den freien Markt und die Globalisierung gesagt wurde und mit dem vergleiche was dabei heraus kam, so erscheint mir dies als Utopie.
    Hier ein paar Beispiele, wobei diese nicht mal die Spitze des Eisberges symbolisieren.
    Wir Schweizer leben in einer direkten Demokratie und sind auch stolz darauf. Die Konsequenz dessen ist es, dass wir über den Bau jeder Turnhalle abstimmen müssen. Vor ein paar Tagen wurde aber von unserer Regierung ein Geldbetrag gesprochen, dessen Summe so ungeheurlich ist, dass ich sie mir nicht einmal vorstellen kann und das ohne, dass der sogenannte Souverän dazu Stellung beziehen konnte. Als einziges Land der Welt wurde nicht einmal eine Beteiligung verlangt.
    Wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, gibt es dafür bloss zwei Erklärungen die Sinn machen. Entweder ist da enorme Macht (Lobby) dahinter oder wir sind mittlerweile Geiseln dieser Entwicklung und können gar nicht mehr anders. Frei nach Fontane, die Geister die wir riefen…
    Dem freien Markt wieder jedoch sogar zugetraut, dass er die Chinesen frei machen solle – uns Schweizer aber macht er unmündig.

    Am Sonntag lief im TV der Film “Supersize me” in welchem der Hauptdarsteller auf den Spuren der US Nahrungsindustrie wandelt. Die dabei aufgezeigte Form von Lobbying findet mittlerweile in allen Bereichen unseres täglichen Lebens statt. Profit steht über allem und wir sind dagegen machtlos, weil unsere Arbeitsplätze davon abhängen. Wir sind mittlerweile sogar dazu bereit, den gesamten Planeten dafür aufs Spiel zu setzen. Oder glaubst Du, dass zur Förderung alternativer Energien eine ähnlich machtvolle Lobby bereit steht? Warum wird dann seit gestern öffentlich über ein neues AKW geredet, während dessen wir Strom aus Wasserkraft ins Ausland verkaufen? Und immer wieder zieht bei Abstimmungen das Argument, dass Arbeitsplätze verloren gingen oder Standort Schweiz weniger atraktiv würde.

    Du sprichst vom Ausgleichen der Inflation, als gute Absicht hinter dem Zins.
    Vor etwa einem halben Jahr war im Tagi ein Studie aus den USA.
    Darin zeigte sich, dass der Durchschnittsamerikaner in den letzten 30 Jahren (bis vor dem Crash) um exakt die Teuerung reicher wurde. Im selben Zeitraum wurde die oberen 10% um sagenhaft 1’000 mal reicher, als sie es zuvor schon waren. Wieso? Weil sie besser, schlauer oder sonst wie wertvoller sind?
    Kann ein Mensch allein überhaupt reicher sein, als ein ganzes Land in dem in der selben Zeit andere Menschen verhungern?
    In diesem System kann er und deshalb wird es Zeit, dass wir darüber reden, ob wir solch ein System überhaupt wollen. Denn spätestens wenn die 2/3 Gesellschaft auch hier verwirklicht ist, wird die Sicherung unserer Gemeinschaft für ein Teil eben dieser nur noch über Zäune möglich sein.

    Nein ich kenne die Lösung nicht. Es wird wohl in Richtung “gewinnwertfrei” gehen oder Gewinn wird neu in Form von Lebenswert definiert werden.
    Mir geht es darum, dass wir jetzt gemeinsam darüber reden müssen, ob wir dem Götzen Wachstum weiter huldigen wollen und wo die echten Wurzeln des Übels liegen. Du sprichst selber von dieser Diskussion, bloss wenn sie fruchten soll, braucht es den Mut über alle Beschränkungen hinweg zu reden. Wenn das Fundament bleiben soll, wird sich das neue Gebäude wieder danach ausrichten.

  9. SeelenLeerer · 3. Dezember 2008, 21:02 · #

    Lieber Thinkabout
    In einem Punkt hast Du Recht.
    Nicht meine Ängste sollten meine Richtschnur sein,
    sondern Hoffnung.

    Manchmal fühlt es sich einfach an,
    wie wenn wir als Menschheit auf der Titanic unterwegs wären, bloss mit dem Unterschied, dass wir alle den Eisberg schon seit einer Weile ganz klar erkennen und keiner den Mut hat Stop zu rufen, weil niemand der Spielverderber sein möchte.

    Klar kann niemand wissen, ob es wirklich zum Crash kommt oder nicht. Aber in so vielen Themen haben es Menschen im Nachhinein kommen sehen und gleichzeitig die Hände in den Schoss gelegt. Muss wohl an der Spezies Mensch liegen. – Nun klinge ich schon wieder melancholisch, aber irgendwie hoffe ich immer wieder, dass wir aus der Geschichte endlich etwas lernen würden.

    Vielleicht hat auch einfach jede Generation das gleiche Recht auf die selben Fehler, wie die Generation davor?
    Vielleicht muss es bei der Menschheit als Gesamtes ablaufen wie bei einem Einzelnen davon: Erst wenn der Leidensdruck grösser ist, als die Angst vor Veränderung, wird gehandelt.
    Wenn dem so ist, lag ich wohl falsch in der Annahme, das dieser “Hinweis” schockierend genug gewesen sein müsste.

    Auf jeden Fall möchte ich ab nun wieder mit positiver Energie meinen bescheidenen Anteil dazu beitragen.

  10. Thinkabout · 8. Dezember 2008, 00:09 · #

    Lieber Seelenleerer
    Ja, es ist richtig: Einander gegenüber gestellt wirkt die Turnhalle zum UBS-Rettungspaket wirklich absurd. Aber wir sollten und müssen wohl gerade froh sein, ist es so, dass über die Turnhalle drei Jahre gefeilscht wird, das Rettungpaket aber in ein paar Wochen greifen kann – oder noch schneller, wenn es nötig ist.
    Über eine Generalmobilmachung entscheidet auch nicht das Volk. Am Ende werden wir alle regiert. Und in Krisenzeiten ist das auch absolut notwenidg.
    Das Parlament – und in der direken Demokratie das Volk – sanktioniert in diesen Fällen erst hinterher. Aber immerhin!
    Es ist gut so, wie es ist. Denn es ist gar nicht möglich, die notwendigen Fakten für eine parlamentarische Entscheidung so schnell vorzulegen. Ehrlich gesagt habe ich mehr Sorge, dass in parlamentarischen Debatten das Paket am Schluss doch noch zerredet wird…
    Dass wir von Lobbyisten regiert werden, viel mehr als von Volksvertretern, macht mir in Krisenzeiten eigentlich sehr viel mehr Sorgen. Denn dann ist es noch viel verlockender, nach Partikulärinteressen zu handeln. Hier und jetzt aber dürften viele Politiker kapiert haben, welcher Gong geschlagen hat – und eher auch im Sinne des Gemeinwohls denken. Naivling, der ich bin? Möglich. Ich sehe es dennoch so.

    Zu Zins und Teuerung: Der enorme Reichtum “unserer” Reichsten kommt nicht zustande, weil diese das Zinsgeschäft für sich ausnützen. Das schnelle Geld ist sehr viel mehr gesellschaftszersetzend. Es wird an der Börse verdient und ist scheinbar jedem zugänglich, was dazu führt, dass sich gar niemand mehr über die tiefen Zinsen aufregt. Ich kann ja auch Kapitalgewinne erzielen, wenn ich Aktien kaufe. Und das ist das Problem: Indem wir hoffen und glauben, zu dem einen Drittel, das Du ausmachst, gehören zu können, das den grössten Anteil hat an den Chancen hat, werden wir käuflich.
    Wir müssen einfach die Perversion ablegen.
    Ob das gelingt? Keine Ahnung. Nach meiner Erfahrung ist nicht mehr zu tun als darüber zu reden, was man selbst beobachtet. Alles andere ist der Lauf der Dinge. So lange die Wirtschaft, die Arbeitsplätze und irgend ein Wachstumsindex – ausser jener der Umweltzerstörungen – die Politik bestimmen, wird es tatsächlich so weiter gehen wie bisher. Wir brauchen Nackenschläge nicht, aber die Welt braucht sie wahrscheinlich. Ob sie schon ausreichen?

    Ich spüre bei Dir viel Resignation und Scham ob der Engstirnigkeit von uns Menschen. In der Tat werden wir unseren Möglichkeiten kaum je gerecht, sehen wir nicht, was offensichtlich wäre und regulieren uns unsere Verantwortung zurecht. Wir sind sehr gut im Erfinden von Sachzwängen. Nur sind wir allein nicht in der Lage, das Schiff vom Eisberg weg zu lenken. Es braucht dazu die gleiche Einsicht auf der Kommandobrücke. Aber wir können eines tun: Nicht aufhören, darüber zu reden. Dafür muss man nur um sich sehen und das erkennen, was einem lieb und teuer ist. Es lohnt sich, dafür einzustehen. Auch wenn man wenig bis nichts bewirken kann – ein Grund, zu verzweifeln, ist das nicht. Wir bestimmen den Erfolg nicht allein. Auch wir können irren. Aber wir sollten immer sagen könnnen: Wir haben uns bemüht, haben hingesehen, selbst gedacht und unsere Meinung offen am Widerstand geprüft. Wir können lernen. Die Menschheit kann lernen. Jederzeit. Und das heisst nicht zuletzt: Leben und all das versuchen, vorzuleben, an das wir glauben.
    Diese Aufgabe ist wunderschön. Ganz egal, wie wirksam sie ist und wie weit sie ausstrahlt. Schon das haben wir nicht selber in der Hand. Und irgendwie ist das auch gut so.

    Ein Beispiel: Ich kann mir überlegen, wie ich in diesem Blog 400 statt 200 Leser pro Tag bekomme und kann eine ganze Menge Energie da rein stecken. Aber wirklich bestimmen, manipulieren, steuern kann ich das nicht. Aber ich kann mich um Inhalte bemühen, so dass ich mir nie wünschen muss, es hätten es viel weniger Leute oder rein gar niemand gelesen…

    Wir wissen alle nicht, welche Wirkung wir am Ende überhaupt entfaltet haben werden. Aber nicht das wird entscheidend sein. Es wird nur zählen, ob wir vor uns selbst sagen können, das Richtige vertreten und getan zu haben.

  11. SeelenLeerer · 9. Dezember 2008, 03:19 · #

    Lieber Thinkabout
    Der Wirkung und Heilkraft der eigenen Befreiung bin ich mir mehr als bewusst. Darum versprach ich schon in meinem letzten Beitrag, die Hoffnung eher zu nähren, als die Angst.

    Welchen Gong hat es denn geschlagen?
    Was würde wirklich passieren, wenn die UBS das Geld nicht erhalten würde?
    Was heisst Rettungspaket und was soll damit gerettet werden?
    Wenn wir all diese Fragen einmal für einen kurzen Moment beiseite lassen und das Ganze aus einer völlig anderen Richtung betrachten, ergibt sich vielleicht ein interessanter Ansatz.
    Also.
    Gehen wir einmal von der Annahme aus, dass neben der UBS in der Schweiz noch viele Arbeitgeber existieren. Das heisst die meisten Menschen in der Schweiz gehen täglich mehr oder weniger liebevoll einer Arbeit nach,
    die dadurch einem bestimmten Wert entspricht. Wert auch dadurch dass diese Menschen ihre Lebenszeit, ihre Liebe, ihr Können u.s.w. dafür hergeben.
    Wie kann all dies durch den Zusammenbruch einer Bank wertlos werden?
    Als ob all diese Menschen gar nix getan hätten?
    Oder ist es dann bloss finanziell gesehen nix mehr wert?

    Wie ist denn die Krise überhaupt entstanden?
    Die Banken haben gezockt, oder wie erklärst Du mir als Laien, dass ich Geld an fallenden Kursen verdienen kann? Oder Warentermingeschäfte – wenn das keine Wetten auf zukünftige Preise sind, dann weiss ich auch nicht mehr weiter.
    Also die Banken haben gewettet und dabei verloren, so viel verloren, dass die ganze Realwirtschaft mit in der Abgrund gerissen werden würde. All die Mann(Frau)stunden einfach wertlos würden?
    Dein Kind spielt daheim mit dem Feuer und brennt um ein Haar die ganze Stadt nieder.
    Was tust Du?
    Ihm einen Flammenwerfer schenken, weil das Kind Dich sonst in die Luft zu sprengen droht?

    Seit Jahren sprechen “Bürgerliche” Kräfte davon, der Staat habe sich nicht ein zu mischen (weder Arbeitsrechtlich, noch Umweltgesetzmässig) und schon gar nicht am Gewinn zu verdienen. Nur so könne der Markt funktionieren und wir alle von seiner Kraft profitieren. Wenns aber in die Hosen geht, soll die Gemeinschaft zum Wohle der Gemeinschaft den Schaden beheben, weil es keine Alternative dazu gebe?
    Diese Lüge geht mir einfach nicht in den Kopf hinein.
    Da muss ich doch annehmen, dass auch viele andere Geschichten gelogen sind…
    oder wir alle einfach für dumm verkauft werden.

    Die Kommandobrücke hat gar Interesse daran Einsicht zu üben, denn sie scheinen damit durch zu kommen.

    Ja, eine gewisse Konsterniertheit löst dieser Umstand sicher aus.
    Wenn es als Resignation bei Dir ankam, kann ich Dich beruhigen. Solange ich atme, werde ich zu wachsen versuchen und an gewissen Tagen halt daran scheitern.


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