Wollen Sie auch etwas bedeuten?
Ich spüre heute immer mal wieder der Frage nach, warum es Menschen gibt, die sich vom Gedanken treiben lassen, dass sie “der Welt” etwas “zurück zu geben” hätten, sie eine Bedeutung haben müssten oder zumindest sollten. Und staune gleichzeitig über Menschen, die davon gänzlich frei sind und zufrieden, wenn sie am Schluss des Tages sagen können: “Und gut ist es gewesen.”
Wobei sie dafür weit weniger aufführen können müssen, als so mancher unzufriedene Zeitgenosse.
Der Grund für mein Nachdenken: Ich habe den starken Verdacht, dass es sich hier um zwei unterschiedliche Haltungsmuster handelt, die nicht ganz zufällig ganz stark den Geschlechtern zugewiesen werden können. Ich jedenfalls kenne fast nur Frauen, die sich keinen Deut um ihre Stellung in der Gesellschaft scheren (als Einzelperson), aber sehr viel Sinn für den inneren Wert eines Tages besitzen. Während die Männer den Kamm sehr wohl immer wieder zu stellen versucht sind, und dabei geht es nicht so sehr um die weibliche Anerkennung als um das unbestimmte Gefühl, den wohl anerzogenen Antrieb, irgendwie von tragender Bedeutung sein zu wollen. Wobei dies sehr wohl als Druck verstanden werden kann.
Vielleicht gibt es dazu ja mal noch mehr Gedanken in diesen Tagen.
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Mehr zu lesen, und dies mit ganz bestimmt grossem Vergnügen gibt es auf jeden Fall hier. Sibylle Berg schreibt in der Zeit über Island. In wunderschöner Sprache, wie ich finde.
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Und ich habe noch ein paar Bilder eines Herbstspaziergangs online gestellt.
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und
Prosa[isch]
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Mara · 23. Oktober 2008, 16:01 · #
Bei solchen Behauptungen und Rollenspielen habe ich immer das Bedenken, dass das in erster Linie erlernt ist und nicht wirklich einem inneren Wunsch entspricht.
flashfrog · 24. Oktober 2008, 16:18 · #
Danke für den Link zu dem Artikel von Sibylle Berg!
Gabi · 24. Oktober 2008, 17:39 · #
Klingt für mich nach Forderungen, die jeder (auch) an sich selbst stellt.
Danke für den herrlichen Spaziergang, habe mich saugut dabei gefühlt;-)
Lieben Gruß,
SeelenLeerer · 26. Oktober 2008, 12:56 · #
Mir ist bewusst,
dass ich nun eine starke Verallgemeinerung von mir gebe:
Aber Frauen definieren sich oft über ihre Familie/Kinder
was sie im gewissen Sinn auch grösser erscheinen lässt.
Marianne · 26. Oktober 2008, 15:24 · #
@Seelenleerer
Frauen definieren sich eher darüber, dass sie, ganz allgemein, helfen wollen. Sie sind öfter bereit, einzuspringen, wenn andere Frauen, Kinder oder ältere Leute in Bedrängns sind. Also nicht nur Familie/Kinder. Das geht auch mir so. Heisst das, dass ich etwas bedeuten will? Wenn ja, was ist daran ungut? Dabei geht es mir nicht um meine Bedeutung in der Gesellschaft, schon eher darum, dass es mich glücklich macht.
Mara · 27. Oktober 2008, 17:29 · #
Ich werde den Gedanken nicht los, dass ich es keineswegs für amoralisch halte, wenn jemand bedeutend sein will. Bedeutend sein hat viel damit zu tun, von den anderen wahrgenommen zu werden. Ein Bedürfnis das wohl jedEr kennt. Prinzipiell also etwas, was von der Grundstruktur positiv ist. Schwierig wird es dann eher bei den Mittel oder Themen die man sich aussucht um wahrgenommen zu werden. Wer ist nicht peinlich berührt bei all den Selbstdarstellern die, um ihre 3 Minuten Fernseh-Ruhm zu bekommen, zu jedem Seelenstriptease bereit sind.
SeelenLeerer · 28. Oktober 2008, 17:25 · #
@ Marianne
Wie es schon Mara treffend formuliert hat,
geht es letztendlich um Annerkennung.
Die Männer holen sie in der Gesellschaft durch ihre Stellung
und die Frauen durch ihre Aufopferung.
Mir ging es nicht darum zu definieren,
welches besser oder schlechter ist,
wollte bloss aufzeigen,
dass wir gar nicht so verschieden sind,
sondern uns bloss in verschiedene Richtungen profilieren.
Ob daran was ungut ist?
Vermutlich das Selbe wie beim Mann.
Thinkabout · 31. Oktober 2008, 21:13 · #
@Seelenleerer #7 @alle
Könnte es sein, dass die angestrebte Bedeutung sich für Frauen eher mit dem Leben der sie begleitenden Menschen mit erfüllt, während Männer Bedeutung mit einem Status gleichsetzen, der über deren Ende hinaus “nachhaltig” ist? [Selten ist mir deutlicher geworden, was für Illusionisten wir sind.]
Eindeutig scheint mir in jedem Fall, dass der Mann im Vatersein, in der Aufgabe für die Kinder sehr viel weniger Fülle entwicklen kann, als die Frau in ihrer Mutterrolle.
SeelenLeerer · 2. November 2008, 16:13 · #
@ Thinkabout
Sicherlich macht die feine Differenz zwischen den Energiemustern von männlich und weiblich einen Unterschied. Die weiblichen Energien sind eher nach innen und aufnehemend orientiert, während männliche Energien eher extrovertiert und erschaffend sind. Wobei hier auch durchaus eine Frau starke männliche Energien in sich tragen kann und umgekehrt natürlich auch.
Folgende Geschichte erzählt in meinen Augen aber viel mehr darüber.
Stell Dir vor, ein Sohn vermisst die Anwesenheit und vorallem die Aufmerksamkeit/Lob seines Vaters, weil dieser in der grossen weiten Welt mit erfolgreich sein beschäftigt ist und selten daheim weilt.
Einmal selber gross versucht er diesen Mangel zu kompensieren, in dem er etwas tut, um seines Vaters Aufmerksamkeit endlich zu bekommen.
Womit soll er dies erreichen? – Am besten in dem er die Leistung seines Vaters zu überflügeln versucht.
Dadurch ist er selten zu Hause und sein Sohn wird dereinst den selben mangel aufweisen.
Darum entsteht keine wahre Fülle, denn der Startpunkt ist bekanntlich Mangel im Vatersein.