Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Vereinsleben reaktivieren

∞  21 Oktober 2008, 14:17

In wie vielen Vereinen sind Sie Mitglied? Sind es eher weniger als vor zehn Jahren?


Und in diesen Vereinen: Wird es nicht immer schwieriger, Mitglieder für die Vorstandsarbeit zu motivieren?
Das alles kann ich nach meinen eigenen Beobachtungen bejahen.

Nächsten Samstag geht die Saison in meinem Tennisclub zu Ende. Zu den Aufräumarbeiten sind wir wie jedes Jahr schriftlich eingeladen und motiviert worden. Ich gehe seit Jahren nicht mehr hin. Warum? Bequemlichkeit, gewiss. Und ein kleiner Umstand, der mir das Hintertürchen fürs Abseitsstehen geöffnet hat:

Ich war früher regelmässig dabei, im Frühjahr für die Eröffnung wie im Herbst bei den Abschlussarbeiten, und schon damals waren wir oft eher zu knapp an Leuten, um alle Arbeiten abzuschliessen. Dann kam der Verein auf die Idee, Mitgliedern, die nicht erschienen, jeweils zehn bzw. zwanzig Franken (Frühling und Herbst) zusätzliche Jahresgebühr aufzubrummen. Was als Anreiz gedacht war, Leute zum Mitmachen zu bewegen, hatte den gegenteiligen Effekt:

Diese “Leistung”, die Gelegenheit, zusammen eine Arbeit zu tun und danach gemütlich zusammen zu sitzen und die Gemeinschaft zu pflegen, hatte nun einen “Wert” bekommen. Das Wegbleiben kann seither “gebilligt” bezahlt werden – irgendwie tödlich für einen Verein, der das eigentliche Vereinsleben jenseits des reinen Tennisbetriebs doch auf Gemeinnützigkeit und Kameradschaft aufbauen müsste. Der Effekt war denn auch nicht nur bei mir verheerend. Letzten Herbst waren sie, höre ich, noch sieben Nasen.

Nun, ich bin am Samstag verhindert. Aber zukünftig, so habe ich mir vorgenommen, will ich mich wieder etwas mehr einbringen. Gegensteuer geben. Werte schaffen oder wenigstens erhalten, die eben nicht bezahlbar sind. Sie können nur verloren gehen.


°


[Bildquelle: Ein fleissig(er)er Helfer des Tennisclubs Dierdorf ]




abgelegt in den Themen
Gesellschaft
und
Tagebuch



Individualität ist in der Gruppe viel farbiger, irgendwie


  1. Caro · 21. Oktober 2008, 19:05 · #

    Ich kenne Ähnliches aus der Chorlandschaft: die Mitglieder wandern ab. Jahreskonzerte ginge ja noch, aber da sind die Ständchen, die Wettkämpfe, die Gottesdienste – voll im Trend dagegen sind Projekte: man kommt um mitzusingen, berauscht sich an ein paar Konzerterlebnissen, die Arbeit wird von einem OK erledigt – und dann gilt wieder Unverbindlichkeit frei Haus.

  2. uertner · 22. Oktober 2008, 08:34 · #

    Na, gute Beobachtungen. Vielleicht müsste man aus dem virtuellen wieder zum realen “Umkehren”. Ich hoffe der Tennisclub Dierdorf fügt einen Link auf diesen Blogeintrag seinem nächsten Mailing an. Und vielleicht müsst ich mich doch noch einem Chor anschliessen? Es war nämlich gar schön, damals.

  3. Richard · 22. Oktober 2008, 18:51 · #

    War jahrzehntelang engagiert und hab den 60zigsten
    als Zäsur gewählt, sollen doch die “Andern” mal die G`scheitredner! Das ist nun 4 Jahre her und auf einmal bin ich wieder in einer lockeren Organisation von Menschen im Ruhestand die “Guad drauf” sind und es ist schön, für die Gemeinschaft was zu tun ohne die Saldierung im Hinterkopf – was bringt`s – Also jede Zeit hat ihre Leut

  4. Thinkabout · 31. Oktober 2008, 21:18 · #

    @Richard:
    Diese konkrete Erfahrung ist doch ein Leckerli für so manchen vielleicht noch leicht zögernden Mitmenschen. Toll, wenn solche “Saldierungen” wegfallen dürfen, nicht wahr?


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