Unseren Rohstoff mehren, aber plötzlich!
Ich träume mal ein wenig, in Zeiten von Finanz- und Euro(pa)-Krisen…:
Wir haben keine oder nur ganz wenige Rohstoffe. Wir haben womöglich bald keine so stabile Währung mehr… Wir haben hohe Löhne (sagen die andern unter uns). Wir sind also zu teuer, haben nichts, wofür man uns schuften lassen könnte im eigenen Land. Da ist guter Rat teuer. Wie wäre es mit Bildung? Eine gute Bildung garantiert
– qualifizierte Ausbildungschancen für den internationalen Arbeitsmarkt
– Selbstbewusstsein und Eigenidentiät für eine flexible Einstellung auf wechselnde Anforderungen
– ein Bewusstsein für die erhaltenswerten Prinzipien unseres Gemeinwesens
– die Erhaltung des Arbeitsfriedens, der neben der Qualität der Arbeit deren Lohn stützt.
Und was tun wir? Bildung ist ein politisches Thema. In Parteiprogrammen. Bei rechten Parteien, die anhand der öffentlichen Schulen vorzeigen wollen, dass diese, wie alles andere im Staat, nichts taugen.
Es muss also auch bei der Bildung gespart werden. Das sieht dann unter Umständen so aus:
An einem grossen Gymnasium wird dem Lehrkörper vorgerechnet, wieviele Millionen er zukünftig einzusparen hat. Und die Menschen, die diesen Lehrkörper bilden, fragen sich derweil, wie sie ihren Lehrauftrag denn, bitteschön, so noch erfüllen sollen, nachdem es aktuell schon kaum mehr zu schaffen ist.
Am schwarzen Brett im Lehrerzimmer kann man dann lesen, dass in der kantonalen Verwaltung sieben zusätzliche Stellen geschaffen worden sind. Wofür weiss keiner so richtig. Wenn auch immer hübsch eine Funktion bei der betreffenden Verwaltungsperson aufgeführt ist. Augenscheinlich beschäftigen sich diese Personen mit neuen interessanten Lernprogrammen, welche die Lehrer anschliessend mit weniger Geld umzusetzen haben…
Papier ist geduldig – die Gesellschaft offensichtlich auch.
Sollten nicht ganz bewusst die Bildungsbudgets in unserem Land deutlich nach oben geschraubt werden – und jene Politiker, die sich am uneffizienten Staat stören, darauf verpflichtet werden, dass sie dann, bitteschön, diese Missstände aufzudecken und zu bekämpfen haben – ohne deswegen den Grundgedanken einer guten Bildung für alle zu verraten. Geld, das gesprochen worden ist, bleibt auch weiterhin der Verantwortung der Politik übertragen – und diese hat dafür zu sorgen, dass dieses Geld beim Lehrer und beim Schüler ankommt, und nicht versickert.
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LD · 15. Mai 2010, 16:59 · #
Es erstaunt mich auch immer wieder, wie verantwortungslos und willkürlich mit Steuergeldern umgegangen wird. Bei den Schulen und der Sozialhilfe wird gespart, aber Massnahmen zur “Stadtverschönerung” dürfen dann trotzdem auch gerne einmal fünf- bis sechsstellige Beträge kosten.
Das erinnert mich ein bisschen an meine Militärzeit. Munition, die nicht gebraucht wurde, durfte nicht zurückgegeben werden, weil man sonst das nächste Mal weniger zugeteilt bekam. Hätte man das Geld für die gesparte Munition für besseres Essen ausgegeben, hätte dies die Motivation der Soldaten gehoben. So aber verballerten wir die Munition unmotiviert im Übungsgelände.
Budgets sind eben heilig und eine töpfchenübergreifende Optimierung ist nicht gestattet. Es lebe die hirnlose, sozialistische Planwirtschaft! Das läuft übrigens auch in den meisten Grosskonzernen nach dem gleichen Muster. Hier trifft der Kapitalismus auf seinen alten Klassenfeind.
Bildung ist eine der besten Investitionen in die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft. Das Problem ist damit aber leider nicht ganz gelöst, denn aus Optimierungsgründen haben wir einen Grossteil unserer Produktionsstätten in Billiglohnländer ausgelagert. Mit Wissen allein ist keine Wertschöpfung möglich. Wir müssten auch die Produktion zurückholen.
Ein weiteres Problem sehe ich in der Pseudo-Professionalisierung der Bildung. Hier ist man dem gleichen Zertifikatswahn wie in anderen Branchen verfallen. Wer kein Pädagogen-Zertifikat vorweisen kann, soll anscheinend nicht fähig genug sein, anderen sein Wissen zu vermitteln. Da nützen auch mehrere Hochschuldiplome nichts und auch Führungserfahrung oder langjährige Schulungserfahrung aus der Projektarbeit stellen keine genügende Befähigung dar. Und dann redet man von Qualitätsmanagement in der Bildung! Welch ein Irrsinn!