Thinkabout wird Member von swissblogpress
„Für einmal in eigener Sache”, so wollte ich den Beitrag beginnen. Schon falsch. Denn natürlich schreibe ich immer in eigener Sache. Ohne redaktionellen Auftrag ist dem immer so – und es schadet nichts, sich das auch mal wieder bewusst zu machen: Was ich mitteile, ist subjektiv, und schon deshalb muss es nicht geteilt werden. Wer aber bei mir liest, teilt Zeit mit mir, und dafür verdient er oder sie Ernsthaftigkeit (was nichts mit Humorlosigkeit zu tun hat).
Mit solchen eigenen Ansprüchen schlage ich mich seit den Anfangszeiten herum. Blogs schiessen seit 2004 wie Pilze aus dem Boden. Allein bei myblog.de hat sich in wenigen Jahren die Mitgliederzahl von 50’000 auf 420’000 mehr als verachtfacht!
In der Schweiz hat es bei weitem nicht den gleichen Hype gebraucht, um die Blase auch gleich wieder anzustechen und ein wenig Luft abzulassen. Blogs sind in den Print- und Fernseh-Medien hochgeschrieben und -gelobt und dann auch gleich wieder beerdigt worden.
Aber das Bedürfnis bleibt: Eine Art Ausgangspunkt zu bieten, um sich in der Bloglandschaft zurecht zu finden. Beispiele zu pflegen, die einen Querschnitt aufzeigen, was ein Blog alles sein kann. Lust zu machen auf diese Art Online-Medium und sich von einem Fixpunkt aus durchs Netz hangeln zu können, mit immer neuer Lust auf Trouvaillen.
Bloggen kann anspruchsvoll sein. Wer ein Blog schreibt, ist gleichzeitig sein Verleger. Und Layouter. Und, und, und. Das kann ganz schön stressen. Da wünscht man sich schon mal, rausgepickt und an der Hand genommen zu werden, und Ansprechpersonen für jene Dinge zu finden, die man selbst nicht so gut beherrscht – und umgekehrt Anregungen und Ideen liefern zu dürfen, wie sich anderes noch besser machen liesse.
Kein Wunder, dass ausgerechnet Schweizer schon bald fanden, sie müssten dem wüsten anarchistischen Wildwuchs unter den Blogs etwas entgegen setzen. Also gründeten sie einen Verein mit Namen Swissblogpress und schalteten die entsprechende Seite www.swissblogpress.ch auf. Das versprach mir genau die Deckung meiner Bedürfnisse. Nur, die Kerle wollten mich gar nicht. Und schrieben mir ein Mail. Ich las von den hohen Qualitätsanforderungen, ohne so genau zu begreifen, in welchem Punkt ich diesen Anforderungen nicht entsprechen würde? Ein Serienmail eben, unter Zeitdruck verfasst und die Ignoranz und Arroganz verbreitend, die in einem solchen Fall ein NEIN zwangsläufig ausströmt.
Das mit den Serienmails ist nicht viel besser geworden. Und die Qualitätsanforderungen sind auch nicht unbedingt viel transparenter geworden. Es ist dies aber auch das Problem aller Wettbewerbs-Ausschreibungen, die es zum Thema Blog schon gegeben hat. Vor allem in der Schweiz. Die Szene ist auch hier (zu) schnell gewachsen, und das Blog muss seinen Platz noch finden. Also bin ich jetzt, ein halbes Jahr später, dabei und lasse mich zukünftig also selber anpflaumen, wenn Swissblogpress oder ich oder andere Mitglieder grossspurig daher kommen mögen. Das Ziel aber muss ein anderes sein: Blogs salonfähig machen, ohne dass wir uns in eine uniforme Ecke drängen liessen, und für JEDEN Blogger auch nach Anregungen suchen, die das Hobby noch schöner machen.
Was ich aber vor allem geniessen werde, obwohl ich auch Respekt davor habe: Die Mitgliedschaft bedeutet auch, mich messen lassen zu müssen an höheren Ansprüchen in Form und Inhalt. Genau das aber will ich auch. Ich will mein Schreiben verbessern und mein Denken vertiefen. Auch und vor allem durch die Kritik und die Anregungen von Ihnen, meinen LeserInnen. Schreiben und Lesen mögen individuelle Tätigkeiten sein. Aber wer schreibt, ist immer auch Leser – und Lebensbefrager. Und lange vor den Antworten interessieren schon die gemeinsamen Fragen.
Lassen wir Blogs lebendig sein und unterstützen wir diese urdemokratische Form der Meinungsäusserung – auch durch Sorgfalt und Achtsamkeit, die für den Blogger beim Umgang mit dem zu schreibenden Wort beginnen sollte, wenn er seine Leser vor Augen hat – oder auch nur seinen Kopf, der ausgelüftet werden wird, oder sein Herz, das sogleich freier atmen können soll.
Frohes Lesen – oder frohes Bloggen. Und vor allem ein frohes Leben wünsche ich Ihnen Allen. A real life.


Caro · 19. März 2007, 11:21 · #
Eine Aussage ganz zu Beginn hat mich zum Grübeln gebracht: ohne redaktionellen Auftrag > Subjektivität. Heisst das auch, mit redaktionellem Auftrag Objektivität?
Als ein Mitglied der schreibenden Zunft kann ich sagen: Sicher, bei einer Konzertkritik spielt auf jeden Fall Subjektivität mit. Gepaar mit Fachwissen und der Beobachtung der Wirkung auf das Publikum.
Aber wie sieht es mit der Hauptversammlung des lokalen Theatervereins aus? Bin ich mit der freigiebigen Finanzpolitik des populären Präsidenten nicht ein einverstanden mag sich das sicher nicht in einer direkten Äusserung niederschlagen. Aber vielleicht in einer kleinen Weglassung? In einer etwas verlagerten Prioritätensetzung?
Gut, nicht allzu ernst nehmen, war grad nur Reflektionen über meinen Job ;-)
Stephan Marti-Landolt · 19. März 2007, 17:29 · #
Ja thinkabout, Wir müssten mehr nachdenken, manchmal reicht schon denken. Objektiv kann man nicht einmal mit rein mathematischen Grössen umgehen. Auch diese sind meist relativ von verschiedenen Seiten an zu schauen. Der 100-Meter-Weltrekord liegt bei knapp unter 10 Sekunden. 20 Sekunden für ein Kind ist eine Superleistung. Manchmal muss man den Massstab ändern oder nur finden.
Deinen Beitrag finde ich gut – schau doch nächsten Freitag in Olten vorbei. Oder schau morgen mal in das Finanzblog, ich schreib was über Bloggen und Werbung.
Thinkabout · 19. März 2007, 18:10 · #
Liebe Caro, mein Einstieg ist wohl nicht ganz sauber angedacht oder ausformuliert – in eigener Sache heisst immer Schreiben in Ich-Form und Darstellung von Meinung, Motivation ohne Auftrag. Dass die subjektiven Manipulationen in jedem noch so objektiv gemeinten Artikel dennoch zu finden sind, ist mir sehr bewusst. – Dass Du Dir dessen auch bist und Dein Schreiben dem gerecht zu werden versucht, weiss ich schon lange.
Tina · 19. März 2007, 19:30 · #
Habe gerade das Portfolio des swissblogpress gelesen….
Wird es diesbezüglich Änderungen auf Deiner Seite geben? Mehr politische Themen? Mehr Einträge mit Bezug zur Schweiz?
Auf der Startseite steht:
“Swissblogpress ist ein Netzwerk von etablierten und unabhängigen Blogs, die regelmässig zu bestimmten Themengebieten publizieren”
Muß man sich ein “Steckenpferd” zulegen, und regelmäßig zu e i n e m (oder von wem bestimmten?) Thema schreiben?
Im “news”(Rubrik Blog) steht auch, daß 3 Mitglieder wieder ausgetreten sind. Aus meiner weiblichen Neugier heraus würden mich die Gründe hierfür schon interessieren,...neugierigguck….Nein, ich werde sie nicht erfahren, ich weiß.
Diesen Satz versteh ich auch nicht:
“Ein Blog (Polis) hat den offiziellen Mitgliederstatus verloren und ist auf die Watchliste gefallen “....
Fragen über Fragen!
Trotzdem:
Wird schon alles gut sein und ich wünsche Dir alles Liebe und daß sich Deine Ziele und Träume, die Du mit der Mitgliedschaft verknüpfst, erfüllen!
Thinkabout · 19. März 2007, 20:18 · #
Nein, Tina, die Ausrichtung wird sich nicht ändern. Ich bleibe was ich bin – ein Exot wie wir alle es sind, einzigartig in unserem Denken und Fühlen – und so werde ich auch schreiben. Weiterhin.
Auch wird sich die Verlinkung noch ändern und dann auf diese neue web-Adresse verweisen.
Blog-Netzwerke entsprehen meist zu schnell – wie Blogs auch – entsprechend veränderbar ist aller Bloggerwuchs. Ich “kenne” vereinzelte Mitglieder, werde den Austausch geniessen und dort anklopfen, wo ich nicht einverstanden bin. Das scheint auch ganz gut zu funtkonieren, wenn ich mir die Rückmeldungen per mail ansehe. Lassen wir uns doch Zeit und hören wir vor allem auf die Fragen aller Interessierten.