Link des Tages: Die neuen Taglöhner
Ich kann mich noch erinnern, wie ich sie stehen sah, jeden Morgen, ganz selbstverständlich war das, am Eingang zum Zollamt, wo man entlang kam, wenn man Waren zu “löschen” und damit dann vielleicht auch zu entladen hatte. Jeden Morgen stand ein Grüppchen da, jedem Kastenwagen oder Handwerker-Auto entgegen sehend, mit fixierenden Augen. Ganz normal war der Anblick dieser Arbeit Suchenden, für ein paar Stunden nur, aber immerhin. Ganz ruhig wirkten sie, die Unruhe darf höchstens eine innere sein, Haltung bewahren ist wichtig.
Das hatten diese Männer besser intus als die in diesem Video hervorragend portraitierten neuen Taglöhner. Wo werden sie wohl ihren Standplatz haben? Vor der Börse? Am Paradeplatz?
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abgelegt in kurz notiert und Schmonzetten
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andré · 8. Dezember 2008, 10:00 · #
Hervorragende Idee, keine Frage. Möge bloss nicht allzu vielen der Schadenfrohen das Lachen im Hals stecken bleiben – wenn der Chef plötzlich mit Blick nach unten und in kaum verständlichem Gebrabbel was von “Sparmassnahmen” sagt
skriptum · 8. Dezember 2008, 14:14 · #
Schön. Schön fies! ;o)
Und erneut eine Bestätigung dafür, dass man sich immer zweimal im Leben sieht: Beim zweiten Mal allerdings mit vertauschten Rollen.
Mara · 8. Dezember 2008, 15:01 · #
Eigentlich trägt man in diesem Bereich doch sowieso schon seine Haut zu Markte./ und gibt jegliche Individualität schon an der Eingangstür ab…...bis jetzt nur halt noch nicht so öffentlich. (ich llasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen vR)
von Relax · 10. Dezember 2008, 14:57 · #
@ Mara: Es gäbe iel zu schreiben, aber mein Dauerproblem Zeit hält mich ab. Doch wenn ich schon von Mara eine Einladung zum Kommentar habe, will ich rudimentäre Gedanken kurz einbringen. Nur schon seit 1987 hat es mehrmals Krisen mit Stellenabbau in der Bankbranche gegeben. Doch die Dimension ist heute eine völlig andere. Die Krise ist GLOBAL (hallo UBS Basher nicht vergessen!!) und die Krise hat die Realwirtschaft erreicht und kann der Gesamtwirtschaft noch eine Lungenentzündung bescheren. Hoffentlich jedoch nicht.
Eine Bankkrise hat immer zur Folge, dass eine rechte Anzahl von Banker die Branche verlassen muss. Nebst einer vorgezogenen Pensionierung, wandern Banker dann in andere Branchen ab. Diese Leute haben in der Regel kaum eine Chance für ein Come Back in die Bankbranche. Wer als Verkäufer, Händler oder Berater für 2 Jahre einen anderen Job macht (solange wird die Krise sicher dauern, bis an der Stellenfront wieder vermehrt Nachfrage eintritt) wird als “out of market” eingestuft, d. h. ohne aktuelle Praxis im Tagesgeschäft, keine aktuelle Kundenbasis – die mitzubringen ist – ist man mit diesen Mankos plötzlich eine abgeschriebene HR-Option und nicht mehr ein gesuchter und verwöhnter Stressarbeiter.
Weil so viele Leute den Bankern gönnen, dass sie sich wieder in Demut nach dem Franken auf dem Asphalt bücken müssen, will ich an dieser Stelle festhalten, dass diese Zuschauer Häme eine teuere Form der Unterhaltung für die Gesellschaft ist.
Jeder arbeitslose Banker hat zuerst Anrecht auf Arbeitslosengeld. Er bezahlt dementsprechend keine bzw. wenig Steuern, er konsumiert weniger und tätigt weder Luxus- noch andere betragsmässig relevante Investitionen. Das kostet Nichtbanker Arbeitsplätze und zwar nicht wenige. Diese Suppe löffeln dann wieder alle aus. (Ausser in der Psychiatrie, wie der TA gestern berichtete. Dort hat es wegen den vielen behandlungsdürftigen Bankern zurzeit zu wenig Aufnahmekapazität.)
Für einzelne (und kreative) Banker gibt immer wieder gute Angebote zu prüfen, wie dieses im Spiegel Online von heute 10.12.2008:
STELLENANGEBOT FÜR TRÄUMER
San Francisco sucht Leuchtturmwärter
Die Nachbarn sind Wale und Seehunde, der Ausblick auf San Francisco ist traumhaft: In den USA wird derzeit ein Wirt für einen idyllisch gelegenen Leuchtturm gesucht. Mit Einsamkeit sollten Bewerber keine Probleme haben – dafür wartet ein üppiges Gehalt.