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Kommt mehr Licht in die Schweizer Medienlandschaft?

∞  17 Januar 2012, 16:54

Warum wird erst jetzt mehr Transparenz von den Medien und Auskunft verlangt, wer bei ihnen Einfluss ausübt? Wer die grossen Aktionäre, Finanzgeber, Spender sind, wobei allenfalls auch die grossen Inserenten offen zu legen wären?


Die Turbulenzen rund um den Rücktritt von Nationalbank-Präsident Hildebrand und die Rolle, die dabei die Weltwoche gespielt hat, haben die Frage neu aufs Tapet gebracht: Wem gehört eigentlich die Weltwoche wirklich? Wer stellt also nicht nur seinen Namen, sondern sein Geld zur Verfügung, damit ein Medium publizieren kann?

Dass es überhaupt möglich ist, dass dies nicht bekannt zu sein hat bzw. in jedem Fall substanziell nachgeprüft werden kann, ist an sich in einer so tief in der direkten Demokratie verwurzelten Gesellschaft wie der Schweiz höchst befremdend.

Persönlich habe ich diese Frage in den letzten Jahren immer wieder gestellt. In Beiträgen, Kommentaren und in Diskussionen unter Freunden und Bekannten. Einigermassen erstaunt habe ich dabei immer wieder festgestellt, wie gleichgültig bzw. schulterzuckend man der Tatsache begegnet ist, nicht zuletzt auch unter Journalisten und Politikern selbst, dass es offensichtlich möglich ist, ein so prominentes Presseorgan wie die Weltwoche zu finanzieren, ohne dass diese Investoren öffentlich bekannt sind.

Nun, da die Weltwoche eine solche Erschütterung ausgelöst hat und zudem das Intrigen- und Schlaumeierversteckspiel rund um die BaZ mit dem Protagonisten Blocher aufgeflogen ist, haben diese Kreise den Bogen vielleicht überspannt: Wie man im Tages-Anzeiger online “lesen kann”: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Parteichefs-wollen-eine-Lex-Weltwoche/story/21229489, wollen die Chefs der Schweizer Parteien nun eine Offenlegung der tatsächlichen Besitzverhältnisse bei der Weltwoche erzwingen, notfalls mit einer “Lex Weltwoche”.

Nach dem Prinzip, dass politische Aktionen je länger je mehr nur als Reflex wirklich konkret werden, war daran in den ersten Stellungnahmen einigermassen störend, dass man erst nur davon sprach, die Weltwoche gesetzlich zu Erklärungen zu zwingen – doch allmählich werden die Notwendigkeiten für Transparenz schaffende Bestimmungen im Medienrecht allgemein gültig formuliert, womit die ganzen üblen Geschichten vielleicht doch auch noch eine sinnvolle Konsequenz haben werden.

Irritierend bleibt, dass – gerade mit den vorgängig schon gemachten Beobachtungen in der Schweizer Presselandschaft – eine solche Korrektur erst jetzt in Angriff genommen wird – und nicht schon längst auf den politischen Traktandenlisten auftauchte. Die Frage bleibt: Warum? Was hätte man bis anhin mit lautem Denken in diese Richtung riskiert? Missliebige Reaktionen für Journalisten in Anstellungsverhältnissen, schlechte Presse als Politiker?







  1. LD · 17. Januar 2012, 17:43 · #

    Mehr Transparenz in den Medien wäre auch mir sehr willkommen. Und in der gleichen Gesetzgebung könnte man doch auch gleich Transparenz betreffend der Berater unserer Exekutive und Legislative sowie aller Staats- und Bundesbehörden schaffen. Wer berät wen in welchen Angelegenheiten und wie hoch ist das Beratungshonorar?

  2. walter · 17. Januar 2012, 22:43 · #

    Ist dies wirklich so wichtig, dass man weiss, wer diese oder jene Zeitung finanziert? Wollen all diejenigen, die jetzt ausrufen, dies wirklich wissen?
    Dann sind wir ja alle gleich. Die einen wollen (genau) wissen, wie die Spekulationen unseres Notenbankers gelaufen sind, die andern wollen (genau) wissen, wieviel sein Antipode in dieses oder jenes marode Medium gesteckt hat. Ich ärgere mich über deinen Scheiss und du über meinen. Dieser Ärger ist nicht neu, aber nun wissen wir, wie teuer er ist.

  3. Thinkabout @Walter · 18. Januar 2012, 20:01 · #

    Vielleicht wollen nicht alle wissen, wer welche Zeitung finanziert. Aber ich finde es – in einer immer dünner werdenden Presselandschaft schon erheblich, wer in welchem Sold steht, wenn er schreibt. Bedenke, dass die Zeiten der ehrenwerten Verleger, welche sich einer Einflussnahme praktisch ganz entziehen, Hauptsache, ihr Geld dient der vielfältigen Meinungsbildung, am Austerben ist.
    Ja, ich finde es erheblich, wer von welchen Lobbyisten in der Politik bezahlt wird, wer warum eine Zeitung besitzt oder neu kauft. Und vor allem finde ich es wichtig, dass es um diese Frage keine Ränkespiele und Vertuschungsmanöver gibt und auch die Journalisten wissen, dass man weiss, wer sie im Endeffekt bezahlt. Oder für ihr Blatt bürgt.
    Weiter finde ich es erheblich, zu wissen, ob eine Zeitung wirtschaftlich erfolgreich sein soll und damit möglichst viele Leser sucht, oder politisch Gewinn bringen soll – und damit eine Stossrichtung über alles stellt.
    Für die so genannte vierte Macht im Staat finde ich das alles wichtig.


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