Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Islam in der Schweiz: Wissen Sie Bescheid?

∞  10 November 2009, 22:24

Ich habe immer wieder darauf hingewiesen, dass ein besseres Verständnis der muslimischen Kultur nötig ist – und wir uns alle mehr darum bemühen sollten, unser Basiswissen zu verbreitern. Eine sehr informative, lehrreiche und erst noch abwechslungsreiche Möglichkeit hierfür bietet ein Selbsttest zum Islam in der Schweiz, in dem 40 Fragen rund um den Isalm gestellt werden. Zu den richtigen Antworten gehört jeweils eine eingehendere Erklärung und damit wertvolle und lehrreiche Information über das jeweilige Thema, auch wenn die Fragen teilweise bewusst im Hinblick auf eine bessere Wahrnehmung der muslimischen Kultur ausgerichtet sind. Falsch ist das deswegen nicht. So lange die Informationen korrekt sind, ist dagegen nichts einzuwenden. Der Verein BCI informiert hier über sich selbst und die Liste der Auftraggeber verheisst sehr wohl Kompetenz.


Meiner Meinung nach sind Sie verflixt gut, wenn Sie 20 der 40 Fragen richtig beantworten können. Aber nicht schummeln!

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  1. susanne · 11. November 2009, 01:10 · #

    Gewisse Kommentare sind weder wertvoll noch lehrreich, denn in Bereichen, in denen elementarste Menschenrechte missachtet und Frauen diskriminiert werden, egal um welche Kultur es sich handelt, habe ich kein Verständnis.
    Insbesonders nicht, wenn es hierzulande passiert.
    Religion ist Privatsache und ihr übergeordnet sind ihr die jeweiligen Landesrechte sowie die Menschrechte von 1948.
    Die Scharia ist menschrechtsverletzend genauso wie die sexuelle Verstümmelung von Frauen, oder ihre generelle Bevormundung durch Männer und deshalb unvereinbar mit jeder Demokratie.
    Ähnnlich ist das mit dem Kopftuch, weil alle Frauen, die es nicht tragen, so unweigerlich zu ungläubigem “Freiwild” abgestempelt sind. In meinem Land will ich das jedenfalls nicht.
    Leider stand nirgends die Frage, wo die Frauen beten (zu Hause, mit etwas Glück in der Moschee-Abstellkammer) und dass ihnen Beten verboten ist, wenn sie menstruieren…
    Oder auch dass es Denkverbote gibt wie z.B. das Zustandekommens des Koran oder die Stellung der Frau in der Gesellschaft.
    Wie lassen sich Traditionen, Vorschriften und Gesetze aus dem 7. Jahrhundert mit dem Leben im 21. Jahrhundert in einer Demokratie vereinbaren? Genau, das geht nicht, insbesonders nicht im Familien- und Staatsrecht, weil es unweigerlich zu Konflikten führt.

  2. Maria · 11. November 2009, 16:07 · #

    14 richtig. Nicht gerade viel.
    Die Informationen, die man erhält, sind so widersprüchlich, dass sich eine Meinung zu bilden schwer ist. (Siehe Kommentar von Susanne).
    Es kommt wohl sehr darauf an, mit wem man es zu tun hat,. Es gibt charaktervolle, integre, wunderbare Muslime, und es gibt A……. und dazwischen eine Menge Schattierungen. Genauso wie es das bei allen anderen Religionen gibt.
    Erwischt man einen der ersten Sorte, ist der Islam eine Religion wie alle anderen, mit Positivem und Negativem und wird als Weg zum Göttlichen, zu Gott, verstanden und gebraucht.
    Erwischt man einen der zweiten Sorte, dann wird der Islam, so wie jede andere Religion, zum eigenen Vorteil, zur Unterdrückung anderer, als Machtinstrument….etc. ausgelegt und missbraucht.

  3. Thinkabout · 11. November 2009, 21:02 · #

    @Susanne
    Viele Muslime sind sehr wohl im 21. Jahrhundert angekommen und suchen auch nach Lebensformen, um ihren Glauben (und/oder) ihre Kultur darin leben zu können. Nicht alles an einer so alten Kultur ist lebensfremd, und oft sind die Informationen, die uns zugänglich sind, bruchstückhaft und verzerren das Bild. Aber in der Tat gibt es leider sehr wenig gesichertes Wissen darüber – und konservative Bewegungen mögen immer mal wieder auf die alt hergebrachten Dogmen zurück greifen. Die gibt es in jeder Religion. Aber in der Tat sollten wir uns nicht scheuen, den Prinzipien unserer Gesellschaft bezüglich Menschenrechten und Rechtssystemen unmissverständlich Geltung zu verschaffen – und fortschrittlichen Muslimen die Integration zu erleichtern. Das macht dann auch Mut, sich darzustellen und in unsere Gesellschaft einzubringen.
    @Maria
    Ganz wichtiger Punkt: Es sind am Ende die Menschen, welche die Botschaften transportieren müssen – und vorleben müssen, von was sie überzeugt sind. Also brauchen wir nicht nur Menschen beider Religionen, die sich tolerant nennen (auch noch laut), sondern solche, die danach leben (laut oder leise) und sich für einander interessieren. Grundsätzlich glaube ich, dass der Islam sehr viele uns sehr verwandte Geschichten kennt und wir – akzeptieren wir das Gehen verschiedener Wege zum Heil – eine Menge spirituelle Energie austauschen könnten.
    Voraussetzung dazu ist allerdings die uneingeschränkte Toleranz dieser verschiedenen Wege – und damit eine muslimische Gemeinschaft, die so zugänglich ist, dass kein offener Geist Ressentiments erfährt.

  4. Michael Kostic · 11. November 2009, 22:32 · #

    Hand aufs Herz und ungelogen:

    Genau 20 von 40.

    Und das mir ;-)

    Noch nie haben so Wenige den Ruf von so Vielen beschmutzt und in den Dreck gezogen…

    Alle Religionen müssen endlich lernen ihre Extremisten ebenso aus den eigenen Reihen zu verbannen. Erst dann wird Friede sein zwischen den Stämmen!

  5. Bruder Bernhard · 12. November 2009, 13:54 · #

    14 geschafft…

    Was mir übrigens an dieser Minarett-Diskussion langsam sehr sauer aufstösst: Man könnte meinen, Muslime seien allesamt frauensteinigende, handabhackende Monster. Es geht vergessen, dass das dies die Extremisten sind, die sich in jeder Religion finden. Es liegt eine gewisse Selbstgefälligkeit in diesen Ansprüchen an ‘die Muslime’ seitens einer Gesellschaft, die immer noch extreme Christen in ihren Reihen duldet, oder die erst vor wenigen Jahren die Vergewaltigung in der Ehe abgeschafft hat. Es geht auch vergessen, dass genau die, die die Taliban jetzt bekämpfen, diese früher mit Waffen und Geld ausgestattet hatten.

    ich wäre schon nur glücklich, würden diese selbsternannten Islam- und Koranexperten nicht ständig am Balken in ihrem Auge vorbei blicken.

  6. André · 12. November 2009, 19:30 · #

    @Susanne:
    Könnte es sein, dass sich Ihr emotionaler General-Abwisch einer Religion etwas gar sehr von Bauch und recht beschränkt an Fakten orientiert? – Menschenrechte: Empfehle Ihnen die Lektüre von Ann Elizabeth Mayer’s “Islam and Human Rights”; (der diesbezügliche Klassiker). Und Sie werden merken, dass das westliche Konzept der Allg. Menschenrechtserklärung eben grundlegend anders angelegt ist als der Islam. Grob gesagt steht nicht das Individuum im Mittelpunkt, sondern die Gemeinschaft. – Sie scheine also etwas viele Birnen mit etwas wenigen Pflaumen zu vergleichen. – Schon von der Universal Islamic Declaration of Human Rights gehört? Nein? Sollte dem so sein, wird’s etwas schwierig, Ihre Qualifikation der shari’a mit mehr als Halbwissen zu bezeichnen. – Frauenrechte: Weshalb massen Sie sich als Westlerin an, über Muslima zu urteilen? Glauben Sie im Ernst, jede kopftuchtragende Frau sei dazu gewzungen worden und seie unglück im geistigen Mittelalter stehen geblieben? – Ihr Land Schweiz: Sorry, ich bin auch Schweizer – das ist also auch mein Land! Und ich zum Beispiel, um Ihre Tirade umzudeuten, will eben nicht, dass Gläubige missbräuchlich in irgend einen Kellerraum verbannt werden. Nicht in meinem Land, um Sie zu zitieren! – Reformen: Erlauben Sie mir daran zu erinnern, dass just solche “Religionsdiskussionen” in der muslimischen Welt bestehende Vorurteile gegenüber der westlichen Arroganz bestärken, und dadurch die zaghaftesten inner-muslimischen Reformbewegungen einen noch schwereren Stand haben.
    Nein, werte Susanne, so einfach wie von Ihnen beschrieben geht’s nicht wirklich – sofern Sie denn an Wissen und Verstehen und etwas weniger an Verurteilen interessiert sein sollten.

  7. Thinkabout @ André · 12. November 2009, 21:21 · #

    @André
    Und Sie werden merken, dass das westliche Konzept der Allg. Menschenrechtserklärung eben grundlegend anders angelegt ist als der Islam. Grob gesagt steht nicht das Individuum im Mittelpunkt, sondern die Gemeinschaft.
    Ich meinerseits sage ganz bestimmt nicht, eine muslimische Gesellschaft wäre per se barbarisch oder so. Nein, es ist eine in sich gewachsene Kultur voller Weisheiten, da bin ich mir sicher. Das Problem sind die Menschen, die sich daraus unter Umständen Elemente pflücken und ein Patchwork daraus machen – wie wir übrigens auch mit den Verbindlichkeiten, die wir aus dem Christentum gerade mal so für uns gelten lassen oder auch nicht.
    Was Du aber damit auch ansprichst, ist eine grundsätzliche Verschiedenheit. Und die kann sehr wohl problematisch werden. Individualiserte westliche Gesellschaft da, muslimer Gemeinschaftssinn dort. Schon darin liegt Konfliktpotential und gegenseitig eventuell blockierte Integrations- und Aufnahmebereitschaft. Individualist wie Islamist bewegen sich dann nicht unbedingt aufeinander zu…

  8. Christa · 12. November 2009, 22:36 · #

    Seit mehr als zehn Jahren arbeite ich mit muslimischen Kollegen zusammen. Ja, es war anfangs befremdlich. Nicht die Männer. Diese begegneten mir sehr offen, freundlich und hilfsbereit Probleme hatte ich eher mit den verschleierten Frauen. Wie kann man nur?

    Ausgerechnet die Frauen meiner Kollegen waren es, die mich einluden. Ich konnte damals kein Wort arabisch und sie kein Wort deutsch. Aber sie hatten vorgesorgt und ihre Töchter zum dolmetschen eingeladen. Es war ein sehr schöner Abend, dem noch weitere folgten. (reine “Frauentreffen” – Männer blieben, gemäß der Tradition, kurz nach der Begrüßung ,“draußen”. )

    Vor etwa vier Wochen besuchte mich eine dieser Frauen. Ich erkannte sie nicht wieder. Ohne Schleier und ohne Kopftuch.
    Mit einem Blumenstrauss in der Hand bedankte sie sich bei mir. Ihre Kinder und ich hätten wesentlich dazu beigetragen “Deutsch” zu lernen. Seit dieser Zeit sei sie ein neuer Mensch. Sie sei die beste
    in ihrer Klasse, strahlte sie. Es falle ihr leicht und zwischenzeitlich habe sie sogar eine Anstellung als Lehrerin. Wir lagen uns in den Armen und weinten.

    Der Islam und das Christentum sind Religionen wie viele andere auch. Ihre Anhänger, das sind ganz einfach Menschen. Darunter befinden sich wie überall, auch Extremisten – mitunter krimelle Glaubensbrüder.

  9. Thinkabout @ André · 13. November 2009, 01:00 · #

    @Bruder Bernhard
    In der Tat sollen kritische Fragen an und Blicke auf die muslimischen Gemeinschaften nicht verhindern, vor der eigenen Tür zu wischen. Die Reportage im Beobachter dieser Tage zeigt allerdings auch sehr schön, dass selbstverständlich da keine Monster vor uns stehen, aber auch, dass z.B. die Scharia ihnen sehr viel näher steht, als man glauben möchte, weil eben der praktizierte Islam auch auf dieser Scharia gründet – für mehr Muslime, als die meisten von uns woh glauben. Wahrscheinlich ist der Ansatz von André nicht so schlecht: Erst einmal verstehen zu lernen, wie die Scharia entstand, und wie sie im Kontext mit der Gemeinde zu sehen ist. Nicht nur einzelne Paragraphen und Straffälle und Strafen rapportieren, sondern etwas über die Ursprünge begreifen. Das Ganze erfassen, nicht nur das Detail. Aber meine eigene Momentaufnahme bleibt mit sehr vielen Vorbehalten behaftet, und ich teile die Einschätzung nicht, dass es bei uns keine Tendenz zur Radikalisierung gibt. Wobei natürlich möglich ist, dass ich die Limite dafür sehr hoch ansetze…

  10. Bruder Bernhard · 13. November 2009, 11:16 · #

    @thinkabout: das mag sein, obwohl das eine sehr vage und unwissenschaftliche Aussage über ein dermassen heisses, umstrittenes und auch gefährliches Thema ist. Genau so unwissenschaftlich ist meine Aussage, dass ich die Schweizer zu einem guten Teil als schariös empfinde. Im Strafrecht gilt bei uns nicht der Grundsatz des “Auge um Auge”, aber bei schweren Fällen von Körperverletzung, Totschlag bzw. Mord, Raserei muss man nur mal die Kommentare im Newsnetz, die Berichterstattung des Blick lesen, um zu sehen, wie dünn der Firnis ist.

    Dasselbe gilt für die Rolle der Frau: Du kannst dein Mikro in eine beliebige Stammtischrunde ab 50 reinhalten, und man wird dir bestätigen, dass die Schweizerinnen nichts taugen, dass sie viel zu anspruchsvoll seien, dass sie ganz selber schuld seien, dass so viele Schweizer Männer Ausländerinnen heiraten würden.

    Alles sehr unwissenschaftlich, aber die Brüche zwischen Anspruch und Realität sind unverkennbar.

  11. Thinkabout · 13. November 2009, 17:10 · #

    @Christa
    Was für eine wunderbare Schilderung und Geschichte! Hab vielen Dank dafür. Das macht richtig Mut zur Begegnung!
    @Bruder Bernhard
    “schariös” – ich muss lächeln. Du schaffst es immer wieder, bildhaft knapp etwas auf Deinen Punkt zu bringen. Was Du aber mit den Beobachtungen über Schweizer Kommentare zu Straffällen ansprichst, macht erst recht deutlich:
    So mancher frustrierte Eidgenosse mag Übeltätern schariöse Strafen an den Hals wünschen. Aber Worte werden manchmal abgesondert wie ein warmer Furz. Dennoch ist Deine Beobachtung sicher Grund genug, sich nicht einfach über Barbaren zu entsetzen. Die Rechts- und Strafordnung der Scharia aber in den Köpfen und Absichten von hiesigen Muslimen zu wissen, bedeutet zwangsläufig die Vermutung, dass unsere Rechtsordnung als falsch, unzureichend, im schlimmsten Fall nicht massgebend betrachtet wird. Innerlich. Heimlich. Dass das Konsequenzen haben und dann eine ganz persönliche Katastrophe bedeuten kann, wenn jemand im Glauben, ausserhalb unserer Rechtsordnung zu stehen, entsprechend handelt, mag man sich leicht vorstellen. Hier mögen sich manche frustrierten Schweizer schärfere Gesetze wünschen – was ist mit jenen Muslimen, die sich freiere Meinungsäusserung wünschten und die Scharia nicht gar so weit entfernt sehen wie wir? Sie wünschten sich vielleicht gerade, dass unser Gesetz vielleicht nicht schärfer wäre, aber doch bitte wenigstens angewandt würde.
    Frauenrechte, ja Menschenrechte überhaupt sind selten so breit in Köpfen und Herzen, wie sie fett in Gesetzen stehen. Dass sie dennoch da stehen, auch angerufen, eingefordert werden, ist das Wunder einer funktionierenden humanitären Demokratie.
    Also nehme ich Deinen Kommentar gerne zum Anlass, ganz unwissenschaftlich, die Impulse zur Missachtung eines wahrhaft menschlichen Zusammenlebens grundsätzlich in allen Kulturen zu suchen und zu vermuten – und sie auch zu bekämpfen. Aber dazu gehört auch, dass man die Ängste ernst nimmt. Und ich glaube nicht, dass es unverantwortlich ist, dies auch offen anzusprechen, ganz egal, ob das Thema von der SVP missbraucht wird. Wir leben in einem Umfeld, indem diese offene Diskussion möglich ist. Und genau darum thematisiere ich das auch. Ich will nämlich, dass das so bleibt.


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