Fallmaschen im männlichen Gestrick
Immer wieder kann man es hören, wenn es um den emotionalen (und den hormonellen) Haushalt der Männer geht: Wir wären eben einfach gestrickt. Bei uns gibt es “Knöpfe, die man drücken kann” und “egomane Verhaltensmuster”, Gockelmentalität und Oberflächlichkeit.
Ehrlich gesagt: Ich kann es je länger je häufiger nicht mehr hören. Wie, wenn nichts so sehr eine Mär ist wie dieses einfache Gestrick? Wenn es nicht nur ein männlicher Irrglaube ist, die eigene Oberfläche wäre die tiefste aller Tiefschürfigkeiten?
Wie, wenn die männlich anerzogene Doktrin, mit Teflonschicht durchs Leben zu gehen, niemanden so sehr belastet, wie die Männer selbst? Es heisst, das wäre längst bekannt, und man mag dabei auf die Gesellschaft hinweisen, in der Männer schon längst Anteil nehmen am sozialen (Familien-)Leben. Wirklich? Im Zweifelsfall ist es doch noch immer so: Frau verstrickt sich in ihren Gefühlen, Mann im Gehabe, das solches zu negieren scheint. Wer ist besser dran?
Es gibt kein “einfacheres” Geschlecht. Es gibt einfach eine ganze Reihe von Gefängnissen. Und wer nicht spricht, hat nicht nichts zu sagen. Er besitzt auch nicht weniger Kompetenz. Er hat vielleicht nur nie gelernt, vor der eigenen Komplexität nicht zu flüchten. Oder aber, er taucht da hinein, und vermag dann nicht wieder aufzutauchen, kann sich nicht mehr befreien. Ich kenne (oder vermeine zu kennen) so viele Männer, denen der ganze emotionale Bauchladen gestohlen bleiben kann – also doch? Nein! Es ist die schiere Verzweiflung, als Mann wie als Vater am Ende doppelte Verluste zu erleiden: Die Verweigerung einer emotionalen Aufarbeitung – begleitet vom Zwang, für das neue Nichts zu bezahlen bis aufs Hemd.
Ja, es gibt bei gescheiterten Lebensentwürfen und den dazu gehörenden Partnerschaften nur Verlierer. Ich weiss nicht, ob es typisch männlich ist, sich dies vielleicht schön zu reden. Was ich aber weiss: Auch die heutigen Männer umd die 40 haben keine (oder viel zu wenige) Vorbilder, bei denen sie hätten lernen können, wie man Niederlagen einsteckt, um Beziehungen kämpft, Konfliktfähigkeit übt – um im Scherbenhaufen, wenn er dann etnstanden ist, nicht nach dem Bunker zu graben, um die Seele in den Beton zurück zu stecken, wo sie schon mal war.
![]()

Uwe · 26. Juni 2010, 12:32 · #
“Es gibt kein “einfacheres” Geschlecht. Es gibt einfach eine ganze Reihe von Gefängnissen.”
Das finde ich auch! Ich glaube, man flüchtet sich gerne in den Trost von Pauschalisierungen über “die Männer” und “die Frauen”, wenn man seine persönlichen Problematiken mit dem anderen Geschlecht mangels Erkenntnis immer wiederholen muss. ;)
“Ja, es gibt bei gescheiterten Lebensentwürfen und den dazu gehörenden Partnerschaften nur Verlierer.”
Ich fürchte, es gibt Einstellungen und Haltungen, mit denen man ganz zwangsläufig zum Verlierer wird. Das sind dann solche Gefängnisse, wie zum Beispiel dann, wenn ich unermüdlich daran arbeite, einen “Lebensentwurf” umzusetzen, obwohl ich merken könnte, daß er mir unbekömmlich ist oder wenn mir die Idee einer “Partnerschaft” wichtiger ist, als die Befindlichkeiten der beteiligten Menschen.
Wer sich selbst weder auf Lebensentwürfe, noch auf Partnerschaften fixiert, hat schon dadurch gewonnen.