Fallfrei geborgen sein
Ob jemand glaubt oder nicht, ist eine ganz persönliche Sache. Ein religiöses Leben sucht nach Antworten, wie es andere auch tun – oder vielleicht auch tun sollten. Es gibt unter allen Menschen, welche, die es sich leicht machen, so lange das Verdrängen funktioniert, und es gibt unter den Atheisten sehr viele sehr ernsthafte Menschen, die in ihrer Ehrlichkeit, keine Antworten zu haben, oder ganz andere, frommer gegegenüber dem Leben sein mögen als so mancher Nachbeter es ist. Wir haben nun mal alle Fragen, aber nicht allen brennen sie so stark ins Bewusstsein hinein, dass sie aktiv suchend bleiben.
Aber ein Gottesglaube ist eine wunderbare Gnade: Man ist nicht mehr dafür gedacht, im Grunde allein zu sein. Es gibt da immer diese Beziehung zu Gott, und selbst wenn man ihn anschreien mag, weil man ihn ungerecht glaubt, wenn man im Nebel stochert, weil man ihn nicht sieht – so kann man ihn doch immer ansprechen, Zwiegespräch führen und damit in einer sehr eigenen Weise mit sich selber reden und weiter in sich hinein forschen.
Heute nun lese ich in der neuen Zeit (Printausgabe) das Interview mit Margot Kässmann, und ich gebe hier das Zitat weiter, das sie dabei selbst genannt hat, aus dem evangelischen Gesangbuch, denn es beschreibt genau diese Ausstrahlung und Kraft eines lebendigen Glaubens:
Ich kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand.

Alice · 27. August 2010, 08:14 · #
Ich glaube nicht an Gott (hab’s versucht, aber für so was kann man nicht einfach auf einen Knopf drücken oder hoffen, es sein dann schon so, wenn man es sich nur lange genug einredet). Manchmal beneide ich Menschen um genau diese Gewissheit, die du im Zitat aufführst.
Trotzdem bin ich nicht verloren :-). Denn:
Ich falle nie weiter als in die Herzen der Menschen, die ich liebe.
Uwe · 27. August 2010, 12:12 · #
Geborgenheit ist ein Gefühl, ein angenehmes Gefühl. Wohl dem, der es genießen darf. Ist es nicht egal, auf welchem Wege man es erreicht?
Relax-Senf · 27. August 2010, 15:03 · #
@Uwe: Zustimmung zu deiner Feststellung. Wobei, wer sich im Alltag geborgen fühlt, die göttliche Geborgenheit eher weniger sucht, bzw. nicht vermisst. Doch im Alter, zeigen gewisse Statistiken, wird oft wieder die Nähe zu Glauben und Religion gesucht. Ausserdem viele die sich von der christlichen Geborgenheit verabschiedet haben, suchen letztlich Geborgenheit in anderen Glaubensgemeinschaften. Auch Alice findet irgendwo neue Energie und sei es im Buchstaben Nirwana, wohin sie bei Bedarf auch eintaucht (wenn das Fallenlassen ansteht.)
Uwe · 28. August 2010, 14:00 · #
@Relax-Senf
Wer sich schon geborgen fühlt, der braucht natürlich nicht mehr groß nach Geborgenheit zu suchen. :) Wenn im Alter der Tod näher zu rücken scheint, mag das ein Anlass sein, die Suche zu verstärken.
Jeder versucht halt, das ihm genehme Sein irgendwie anzusteuern. Dieses Sein hat sehr viel mit gedanklichen Vorstellungen zu tun, nachdem ein paar materielle Grundvoraussetzungen erfüllt sind. Die Vorstellung, absichtlich und planvoll in ein sinnvolles Ganzes eingebunden zu sein, das mich und meine persönlichen Bedürfnisse liebevoll berücksichtigt, ist sicherlich sehr hilfreich dabei, sich Geborgenheit zu schaffen. Diese Formulierung integriert m.E. die beiden Aussagen von Thinkabout und Alice.
Relax-Senf · 28. August 2010, 14:55 · #
@Uwe: Erneut volle Zustimmung. Die gedanklichen Vorstellungen, inklusiv dem Wunsch nach mehr … Glück, Liebe etc., sind positive Energie solange damit nicht gleichzeitig eine ständig schlechte Wertung der aktuellen Situation verbunden ist. Man darf mit der eigenen Situation unzufrieden sein, aber unter Berücksichtigung was man hat, d. h. letztlich noch verlieren könnte. Es ist der Kopf, der im psychischen Bereich entscheidet, ob es uns in der eigenen Wahrnehmung besser oder schlechter geht. Wenn es dort ausgeglichen zugeht, muss man auch nicht ständig hadern mit den himmlischen Kräften.