Erdbebenbericht aus China - Grenzen des Bloggens
Nicht mal China muss weit genug sein, um als Blogger vom Bloggen Ferien machen zu dürfen… Schon gar nicht, wenn die Erde bebt.
Ronnie Grob, einer der massgeblichen Blogger des Blogwerk-Netzwerks ( vor allem medienlese.com ) hat Ferien und verbringt diese in China. Ausgerechnet, ist man versucht zu sagen… Auch wenn er sich hunderte von Kilometern vom Epizentrum des Erdbebens entfernt befindet, bekommt er recht viel davon mit, wenn auch in homöopathischen Dosen.
So sind seine Bilder, die er dazu veröffentlicht hat, nicht gerade dem Ereignis entsprechend dramatisch. Das sensationslüsterne Auge erwartet in jedem Fall etwas anderes… Grob war sehr schnell damit online. Die Bilder einzuordnen wird nicht leichter, nachdem man etwas später von den hohen Opferzahlen gehört oder gelesen hat und den enormen Schäden im Epizentrum.
Es ist dies ein sehr gutes Beispiel dafür, wie schwierig es sein kann, mit einem Bericht einigermassen “vor Ort” wirklich vermitteln zu können, was geschieht. Manchmal verwirrt der zu direkte und doch nicht zentrale Blick mehr, als dass er Klarheit bringen würde. Aber ich kann Ronnie Grob verstehen. Er kann nicht wissen, was wie schnell wie klar bei uns selbst ankommt. China ist im Moment nicht unbedingt eine freie Tummelwiese für westliche Journalisten. Das Ganze ist einfach ein Beispiel für die beschränkten Mittel, die genau so zum Blogjournalismus gehören wie die darin ebenfalls liegende Authentizität. Im Einzelfall kann das sehr wohl eine Krux bleiben.
:::
♦

Ronnie Grob · 15. Mai 2008, 09:04 · #
Ich kann nicht wissen, wie schnell wie klar das bei “euch” ankommt? Während ich am bloggen bin?
Natürlich kann ich das wissen.
Der Beitrag ist dir nicht authentisch genug? Sorry, aber wenn ich in Xi’an bin und dort keine Häuser zusammenstürzen, dann kann ich dir leider keine solchen liefern. Ich glaube, im Beitrag wird sehr klar beschrieben, woher dieser Bericht stammt (nämlich nicht aus dem Epizentrum des Erdbebens).
Und was heisst “ausgerechnet” in China? Hätte ich Deiner Meinung nach woanders Ferien machen sollen / müssen?
Wie auch immer, ich finds super, ein “massgeblicher Blogger” zu sein. Man lernt immer wieder neues über sich.
Thinkabout · 15. Mai 2008, 09:57 · #
Ich stelle fest, dass es zu meiner Spezialität zu werden scheint, Menschen auf den Schlips zu treten – oder sie mindestens sich so fühlen zu lassen.
Ich glaube, unser aller Empfindlichkeiten sind einfach zu groß. Es war nicht meine Absicht, einfach ein bisschen zu sticheln.
Massgeblicher Blogger? Stell Dir vor, das war ohne jede Süffisanz ehrlich gemeint. Ich mag Deine grundsätzlich ausgewogene und gerade darin professionelle Arbeit sehr, und das einzige, was ich eigentlich sagen will, ist, dass es Umstände gibt, unter denen das offensichtlich schwieriger umzusetzen ist, als gewöhnlich. Punkt.
Wenn ich schreibe “ausgerechnet in China” dann meine ich, dass es Dich zwar weit weg verschlägt, und doch bist Du sogleich in der Nähe eines Epizentrums eines Bebens und damit eines Themas, das sich zum Bloggen anbietet. O.k., ist vielleicht etwas unglücklich formuliert von mir.
Dem Phänomen, dem ich auf den Grund zu gehen versuche, ist folgendes: Lachende, wie bei einem grossen Spass davon rennende Menschen auf Bildern zu sehen, kann auch mehr verwirren und Atmosphäre, Stimmung und Erleben vor Ort mehr verfremden als illustrieren: Du musst wissen, dass gleichzeitig bei uns in der Presse die ersten Bilder der wirklichen Schäden, von toten und von trauernden Menschen auftauchten. Und das ist auch das, was ich damit meine, dass Du aus China die Wirkung Deines Blogeintrags nicht wirklich abschätzen kannst. Das kannst Du eben genau wirklich nicht WISSEN. Und ich bin überzeugt, dass Du diesbezüglich auch Reaktionen bekommen hast, die diese Verwirrung ausdrücken. Bereitete man das nachher retrospektiv auf, wird daraus eine wieder sehr authentische, weil anschauliche besondere Dramatik, wie Menschen innert weniger hundert Kilometer augenscheinlich ganz verschieden von einem Schicksal betroffen werden und ein Ereignis erleben. Das wäre dann eine Chance für eine runde, umfassende Reflexion, die dann vielleicht nicht so brennend aktuell, aber mindestens genau so wertvoll wäre.
Sorry, tut mir Leid. Ich habe einen konstruktiven Ansatz versucht, der offensichtlich misslungen ist.
Ich muss wohl noch lernen, die Empfindlichkeiten in der schreibenden Zunft besser voraus zu ahnen. Ich schliesse darin ganz bewusst nicht nur uns Blogger ein, sondern alle journalistischen Handwerker.
Aber ich arbeite ja selber daran, mag ich zeitweilig auch ganz anders angeschossen werden, als Dir dies hier passiert sein mag, nach Deinem subjektiven Empfinden.