Ein Abend zum Festhalten
Ein lauer Sommerabend. Es dämmert, dann rückt der Himmel näher und der dunkelblaue Horizont schwärzt langsam ein. Wir sitzen noch immer draussen. Die Runde ist am Dienstag immer die gleiche, aber immer wieder ist jemand anders zusätzlich dabei. Wir können uns einfach gut riechen. Es ist Kollgegenschaft im besten Sinn des Wortes.
Abende wie dieser haben eine ganz besondere Qualität: Sie können nicht lange genug dauern. Gleichzeitig liegt eine kleine Wehmut in der Luft: Die Sommerabende dieser Art sind gezählt. Bald werden sich die meisten von uns nicht mehr regelmässig sehen. Auf jeden Fall liebe ich diese Stunden so sehr, dass mir das schon jetzt bewusst ist. Das ist – eben – auch ein gutes Zeichen. Ich geniesse diese Abende. Sie sind ein Geschenk. Und doch kann ich nichts davon festhalten. Auch ich, wir alle, werden immer mehr Gewesene. Und gewesen sind viel schöne Dinge. Sie werden zu Erinnerungen. Natürlich kommt da noch viel Neues. Hoffentlich. Das Schönste aber bleibt ja wohl, dass die Gegenwart dann am Wundervollsten ist, wenn sie uns ewig dauern dürfte. Aber immer wieder müssen wir uns verabschieden. Ich denke an Trennungen. An Verlorenes. An Ferienbekanntschaften, als wir zu Viert wunderbare Weggenossen waren und uns gegenseitig gut getan haben. Manchmal ist man überzeugt: Das lässt sich weiter führen. Dieser Kontakt bleibt bestehen. Und dann geschieht gar nichts. Manchmal in einem selbst, manchmal, ganz offensichtlich, fehlt es an der Energie bei anderen. Manchmal hält sich so was aber auch mal lange Zeit.
Und wie schnell verändern sich die Möglichkeiten? Schon eine kleine Verletzung, oder, noch schlimmer, eine grobe Krankheit nimmt einem plötzlich die Möglichkeit, den geliebten Sport auszuüben. Und schon hockst Du zuhause und könntest ins Sportgerät beissen. Deswegen ist es so toll, wenn dann solche Kollegen trotzdem mal vorbei kommen und sich einen Abend zum Geniessen nehmen wollen. Gut so: Man muss sich zeigen, damit nach einem gegriffen werden kann: “Schön, bist Du da!”
‘Ja verflixt nochmal’, denke ich gleichzeitig, ‘warum habe ich Holzklotz es eigentlich in der langen Zeit nie geschafft, Dich anzurufen oder Dir zu mailen, wie es Dir eigentlich geht?’
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Relax-Senf · 11. August 2010, 01:58 · #
‘warum habe ich Holzklotz es eigentlich in der langen Zeit nie geschafft, Dich anzurufen oder Dir zu mailen”
Danke lieber Thinkabout, kannst du in anderen Köpfen lesen! Seit ca. 2 Wochen sollte ich / möchte ich, einen Anruf machen, einen Anruf zum Geburtstag. Gut, die Zielperson und ich nehmen es nie so genau mit dem Datum, d. h. in offener Diskussion haben wir dies so festgelegt. Mein – was – Kontakt, nein mehr- mein Freund – nein weniger – mein Bekannter – nein mehr – mein befreundeter Gesprächspartner ist am Geburtstag nie zuhause und ich bin am Geburtstag beschäftigt. Irritiert! Kein Grund dazu. Natürlich sind Anrufe am Geburtstag schön und willkommen. Aber man kann ja nicht gleichzeitig mit mehreren Personen sprechen, was manche Anrufer nicht immer leicht verstehen, warum man für sie nicht jetzt – sofort – Zeit hat. Dabei ist dies nicht der einzige mögliche Konflikt. Hat man Gäste / Besucher, ist es ja auch nicht toll, wenn man ständig am Telefon hängt.
2 x habe ich auch versucht meinen befreundeten Bekannten anzurufen, aber es hat nicht geklappt. Ja, einmal habe ich es so gegen 11.30 probiert. Prompt hat er nicht abgenommen, weil er ja immer gerne eine volle Stunde mit mir plaudert und mit Mittagessen so pünktlich wie die SBB, wären halt nur 30 Minuten geblieben. Gut ich hätte mich anschliessend besser gefühlt, weil ich eine Pendenz weniger gehabt hätte.
Es ist halt schwierig mit meinem Biorhythmus. Wenn ich aufstehe – als nachtaktiver Mensch – brauche ich Kaffee, Ruhe und Print. Ansonsten muss ich schon Dollarzeichen blinken sehen um ohne Anwärmphase auf höheren Touren zu laufen. Auch ein Anruf bei mir ist Okay, aber einen Anruf machen … braucht gute Gründe.
Bin ich dann wach ist Mittagszeit, wo ein rechter Schweizer nicht gestört werden will. Nach der Mittagszeit zeigt mein Biorhythmus eine erste starke Kurve, die ich nicht mit Plaudern verpulvern kann. Die hält an bis Schweizer wegen Nachtessen und TV News nicht gestört sein wollen. Anschliessend jedoch mache ich meine sozialen Studien anhand von Krimis und ähnlichem. Ist diese Phase vorbei, gebe ich wieder Gas und in dieser Phase könnte ich auch telefonieren, aber ich tue es nicht. Die Leute könnten ja auf die Idee kommen, dass es mir langweilig ist, anstatt ordentlich Anerkennung zu zeigen, dass ich an sie denke und einen guten Schwatz anbieten möchte.
Ah ja, Email senden im Falle meiner Pendenz geht nicht. Der Jubilar hat kein Internet und somit auch kein Email. Und er ist nicht der einzige gute Bekannte, die diesen Sprung verpasst haben und somit auch definitiv einen zunehmenden Abbau von Informationen und Kontaktaufnahmen in Kauf nehmen müssen. Ja nachts in meiner aktiven Phase, verschicke ich auch Mails. Das Urteil über die Qualität des Inhalts lasse ich mal offen, wenn ich einfach an die Weitergabe von Attachements denke! Aber, ist es nicht auch ein Zeichen, dass mir ein Name, eine Person durch den Kopf ging und ich einfach so mal ein Rauchsignal senden wollte!
Keinen Anruf gemacht, kein Mail senden können, aber für eine konventionelle Geburtstagkarte ist es wohl zu spät. Also muss ich die richtige Lücke finden für den Anruf, aber die Aussicht auf eine Stunde Telefonunterhaltung – mit vergleichbarem Inhalt wie beim letzten Anruf – bremst meine “jetzt-und-sofort-Energie.”
Aber es muss sein, ich sehe es ein, denn die andere Seite denkt sicher auch: Was ist denn das für ein Holzklotz?!!