Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Die Erde hat homo sapiens

∞  9 August 2010, 21:41

In Russland brennen nicht nur die Wälder. Es glüht der Torf. Ein Torfbrand schwelt unterirdisch, und er ist noch viel tückischer zu löschen als ein offenes Feuer.

In Moskau liegt Rauch in der Luft, in der Dämmerung soll man sich fühlen wie in einem Film mit Weltuntergangs-Stimmungen.

Moskau ist der Moloch, für den sich seine Regierung ganz besonderes ausgedacht hat: Düsenjets der Armee, welche mit einem speziellen Verfahren Niederschlagswolken vor der Stadt zum Ausschneien brachten, um zu verhindern, dass der Schneefall den Verkehr in der Stadt behindert – und wirtschaftlich hohe Kosten verursacht.

Der Respekt vor den Menschen, die nun unter der Naturkatastrophe leiden, macht es sehr heikel, hier auch nur sinnbildliche Zusammenhänge herzustellen. Sicher aber ist eines:
Die Natur lässt sich nutzen. Sie lässt sich auch ausbeuten. Sie bleibt aber immer eine Kraft, die jeder Weltmacht gegenüber unermesslich gewaltig ist. Es braucht so wenig, um eine Macht wie Russland oder die USA vor fast unlösbare Probleme zu stellen. New Orleans, der Golf von Mexiko, die Brände in Russland. Selbst wenn die Regierungen ihrer Völker in der Bekämpfung der Katastrophen die gleiche Entschlossenheit zeigen würden wie bei der Sicherung wirtschaftlicher Vorteile auf fremdem Territorium, so liesse sich schnell feststellen:
Wir könnnen zum Mond fliegen. Aber wenn die Erde einmal ein bisschen hustet, fährt sie mit uns Karussell. Wir haben die Atombombe erfunden. Wenn wir sagen, wir könnten damit die Welt ausradieren, so sollten wir präziser sein: Wir können uns ausradieren, und so manche Form von Leben – entlang unserer höchst beschränkten Vorstellungsmöglichkeiten. Aber die Erde?

Vielleicht:

Mars und Erde halten im Universum einen kleinen Schwatz. Dem Mars fällt die Blässe der Erde auf.
“Sag, woran leidest du denn?”
“Ich hab’ homo sapiens.”
“Ach, gemach, meine Freundin. Glaube mir: Das geht vorbei.”




  1. Menachem · 9. August 2010, 23:40 · #

    Oh, oh, lieber Kurt, ich hoffe, das es in 200 Jahren noch Menschen gibt, denen mit weniger Skepsis als mir heute, ein Lächeln dabei möglich ist.

    Es paßt vielleicht nicht ganz punktgenau zum Thema, aber zur Art des Humors:
    “Rabi, Rabi, wieso kannst du so ruhig sitzen dorten, wo sie den Tempel gesetzt haben in Brand?”
    Der Rabi, ganz ruhig und ohne sich umzudrehen weiterlesend:
    “Nu, wenn es gibt einen gerechten Gott, wird er sie bestrafen für den Brand des Tempels. Wenn es keinen gibt, wozu brauchen wir ainen Tempel?”

  2. Uwe · 10. August 2010, 18:01 · #

    Der Witz ist sehr nett, ich erzähle ihn auch gerne. Dennoch bin ich mir nicht sicher, was es mit dem Verhältnis zwischen Mutter Erde und Homo Sapiens auf sich hat. Wenn sie ihn so garnicht bräuchte, weshalb hat sie ihn dann?


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