Deutsche und Schweizer im Sandkasten?
Während am einen Ort die Gründe für die mangelnden Einnahmen in Web2.0-Projekten hinterfragt werden (sehr guter Artikel von Andreas Göldi), kabbeln wir uns an anderer Stelle wieder mal zum Lieblingsthema der letzten Zeit: Zur Frage, was Deutsche und Schweizer trennt., oder zumindest nur neben einander statt mit einander leben lässt.
Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Vielleicht eine ganze Menge. Wer eine Idee im Internet etablieren will, wer Nutzer sucht und Lieferanten, der tut gut daran, nicht zu glauben, dass die Idee allein sich durchsetzen wird. Und wer im Internet in Foren, Kommentaren und Blogartikeln das Verhältnis zwischen Deutschen und Schweizern “thematisiert”, ohne es zu reflektieren, der schürt nur einen Konflikt. Es ist leicht, im Internet das verkannte Genie zu werden oder als Biedermann zu erscheinen und doch ein kleiner Brandstifter zu sein.
Dabei hätten Web2.0-Konzepte vor allem ein grosses Potential: Sie sind das Paradies für jeden Persönlichkeitstyp, der zum Vermittler geboren ist. Ein Vermittler oder Agent verkauft stellvertretend für einen Hersteller dessen Waren auf einem Zielmarkt. Er entscheidet sich für ein Produkt und sieht den Markt dafür, den er dann gewinnen will. Erst erklärt er sich dem Lieferanten als der richtige Partner, dann steht ihm das Gleiche beim Kunden bevor. In beiden Fällen hat er zu Beginn nicht mehr in der Hand als ein bisschen Zeit, das ihm gegönnt wird. Bestenfalls. Und hat er Erfolg und es kommt zu Interaktionen zwischen Kunde und Hersteller, so besteht die grosse Kunst des Vermittlers darin, für beide seinen Wert zu behalten und in deren Augen nützlich zu sein (nur Web-Supergurus würden hier stattdessen das Wort “unverzichtbar” einsetzen).
Mich interessieren nun aber an den Web2.0-Möglichkeiten nicht erst die Businessmodelle und Chancen. Mich interessieren die Verständigungspotentiale. Womit ich wieder bei unserem Verhältnis zu den lieben Deutschen angekommen bin.
Wir stellen einmal fest:
Schweizer und Deutsche leben als Nachbarn oder im gleichen Land als Gast oder Gastgeber seit Jahrzehnten im besten Fall neben einander her, aber sicher nicht mit einander. Beide haben Grund, sich zu ärgern, werden sie doch von der anderen Seite nur in Stereotypen wahr genommen:
Der Deutsche spricht schnell, ist grob, herablassend bis arrogant, unsensibel, zackig, herrisch, man versteht ihn kaum, und wehe, er spricht eine Fremdsprache, dann versteht man ihn gar nicht mehr. Er passt sich nicht an, merkt nicht mal, dass er sich unmöglich macht und sucht immer nach dem billigsten Schnäppchen.
Der Schweizer ist ein Opportunist, der sich aus allem raushält, mit dem Geld anderer beste Geschäfte macht, sich hinter der Neutralität versteckt, jeden Tag Käse und Schokolade isst, in einem Land wohnt, wo Milch und Honig fliessen. Er ist langsam, behäbig, eher wortkarg, in der Regel ein bisschen kauzig aber ganz niedlich und kein wirkliches Ärgernis in seinem kleinen Alpenreduit. Mit etwas Glück und je nach Laune nehmen wir ihn fast ernst.
Tja, und so kann das nun weiter gehen die nächsten zweihundert Jahre lang. Und wird es wohl ziemlich sicher auch. Dabei hängt so Vieles einfach daran, dass wir viel zu wenig von einander wissen. Wir stossen uns dabei gegenseitig an Verhaltensweisen, mit denen wir aufgewachsen sind, die ganz natürlich zu unserer Erziehung gehören. Hätte man das mal auseinandergebröselt, würde aus der Ablehnung womöglich Neugier:
Ein Beispiel:
Telefoniert der Schweizer, so stellt er sich erst ausführlich vor und kommt nicht sofort auf den Punkt. Das wäre unhöflich. Man fällt nicht mit der Tür ins Haus. Ist das Thema dann aufgegriffen und abgehandelt, sagt man auf Wiedersehen und wünscht sich noch einen schönen Tag.
Telefoniert der Deutsche, so kommt er sehr schnell zur Sache. Es gehört sich nicht, dem anderen die Zeit zu stehlen, und es scheint einigermassen lächerlich und unehrlich, lange um den Brei herum zu reden, wenn man doch DAS EINE will, weshalb man angerufen hat. Also wird das auch subito aufs Tapet gemacht und dann ist gut. Folglich sagt man sich Tschüss, und fertig ist’s.
Beiden Sichtweisen kann man nachvollziehen, und so, wie man aufgewachsen und das gelernt hat, so wird einem das auch natürlich vorkommen. Wenn wir das von einander wissen, können wir in den Unterschieden genau den Reiz ausmachen, den es bedeuten kann, mit einander zu tun zu haben und zu erkennen: Heissa Rosaria, so geht’s also auch?
Was das nun mit Web2.0 zu tun hat? Nun, einmal kann man die Kuriositäten und Spezialitäten eines Landes aus seiner eigenen Warte beleuchten und so den Blick für andere Wahrnehmungen schärfen, wie es Jens-Rainer Wiese mit seiner Blogwiese schon so lange so reizvoll macht. Oder aber man überlegt sich, wie ein solches Thema in einem Gemeinschaftsportal abgehandelt werden könnte, bei dem die Leser aus den verschiedensten Ecken abgeholt werden und eigenes beisteuern könnten:
Angenommen, es finden zusammen:
Ein Deutscher, der in der Schweiz wohnt und arbeitet
Ein Schweizer, der in Deutschland wohnt und arbeitet
Ein Schweizer, der nach Deutschland geheiratet hat
Ein Deutscher, der in die Schweiz geheiratet hat
Ein Deutscher, der grenznah zur Schweiz wohnt
Ein Schweizer, der grenznah zu Deutschland wohnt
Und lässt die Personen nun zusammen über Ihre Erfahrungen mit den anderen bloggen. Und über die eigenen Gepflogenheiten in gesellschaftlichen Dingen.
Heissa, mag man nun denken. Das gäbe ja eine Chropfläärete, die sich gewaschen hat. Und es gäbe gehässige Kommentare. Mit Sicherheit.
Und nun beginnt die Arbeit. Für das Ziel der Verständigung bedeutete dies, dass die Schreibenden bewusst lernen wollen, die Lesenden vielleicht nicht, die Betreiber und Urheber aber in jedem Fall stets und überall bereit sind, mit Anwürfen umzugehen, sich und das Projekt zu erklären, zu korrigieren, zu redigieren, zu berichtigen, auszuführen.
Unterstützt würde man durch so manche überraschende Erfahrung und die Erkenntnis, dass hinter den Abstossungen in den Äusserlichkeiten sehr viel mehr Gemeinsames schlummert, als wir vermuten und in der Regel zugeben wollen.
Web2.0 bedeutet also in keinem Fall, einfach nur einen Sandkasten bereit zu stellen und zu warten, bis sich die Leute drängeln, weil sie auch mitmachen wollen. Und wenn sie dann da sind, die Kids und Leute, dann braucht es Regeln, Konzepte, Spielzeug, Ergänzungen. Neuen Sand.
Dass es theoretisch allerdings möglich ist, für fast alles einen interessanten Sandkasten zu bauen, ist eindeutig.
Projekte nehmen nur in den eigenen Träumen als Selbstläufer Fahrt auf. Aber eine Idee, ein Ansatz, ein heraus geschältes Problem, das Vielen unter den Nägeln brennt, kann eine Art Brennstoffzelle sein, die, einmal erschlossen, genutzt werden will und immer wieder reizt, das Optimum aus ihr heraus zu holen.
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Der Artikel entstand nicht zuletzt auf Grund einer neu belebten Diskussion zu einem Artikel von BloggingTom am 9. Juni 2008
Und dann noch dieser bildliche Beitrag zum Thema:

Bildquelle: Der sehr zu empfehlende Fotoblog dongga.ch
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Dirk Deimeke · 15. Juli 2008, 20:55 · #
Das hört sich sehr interessant an!
Caro · 15. Juli 2008, 21:17 · #
SF1 brachte gestern die Wiederholung eines hochinteressant zusammengestellten Beitrages: “Die Deutschen kommen”.
http://www.sf.tv/sf1/dok/index.php?docid=20070125_2000_SF1
Habe noch nicht herausgefunden, wo das Video abrufbar, vielleicht gelingt es Dir ja.
Thinkabout · 15. Juli 2008, 23:07 · #
@Caro: Vielleicht klappts hiermit? Auf der Seite
http://www.sf.tv/sf1/dok/index.php?docid=20070125_2000_SF1
hat es ganz zuunterst einen unscheinbaren Link in schwarz auf grau: “Video”, dahinter verbirgt sich ein Java-Script zum Abspielen des Videos
Und zu diesem Artikel hat mich eine alte, wieder aufgeflammte Diskussion bei Blogging-Tom inspiriert, der Link wird eben am Ende des Artikels noch eingesetzt
honigbaerli · 15. Juli 2008, 23:51 · #
ich glaube, das sich schweizer und deutsche ganz gut verstehen können den wenn man sich auf direktheit als was gutes einstellt und es nicht als aroganz warnimmt sind die probleme auch verschwunden..und der deutsche schlechthin gibt es nicht kommt einfach darauf an woher der deutsche stammt der süddeutsche ist dem schweizer ziemlich ähnlich die direktetesten deutschen sind die berliner und die aus dem Ruhrgebiet(Köln düsseldorfer gegend)
direktheit gepaart mit bedächtigkeit gibt sicher eine gute durchschnittsgeschwindigkeit wo der deutsche etwas abgebremst wir und der schweizer etwas beschleunigt wird..und so kommen beide vorwärts..“zäme geits” (zusammen geht was)
Patrick · 16. Juli 2008, 08:50 · #
mich langweilen, die immer wieder aufkommenden diskussionen über deutsche und schweizer. wieso? nun, ich lebe das seit ich auf der welt bin. mein vater ist schweizer, meine mutter ist deutsche. meine kinder sind schweizer, deutsche, amerikaner, puertorikaner, spanier und ein schuss araber. was will ich damit sagen? die gesellschaft vermischt sich und zwar rasant. in ein oder zwei generationen ist “schweizer vs deutsche” kein thema mehr. höchstens, wie nah sich doch eigentlich die schweizer und die deutschen sind…
flashlfrog · 16. Juli 2008, 16:09 · #
Hallo Thinkabout,
ja, das Thema beschäftigt mich auch seit einiger Zeit. Es ist mühsam, immer mit denselben Vorurteilen und Pauschalurteilen konfrontiert zu werden. Es ist mühsam, sich immer wieder erklären zu müssen, und dabei zu merken, dass es zwecklos ist, weil das Urteil des Gegenübers schon beim ersten hochdeutschen Satz aus meinem Mund feststeht. Es ist verdammt mühsam, immer gegen Unterstellungen kämpfen zu müssen, an denen nichts, aber auch gar nichts stimmt. Und es ist einigermassen schäbig, wenn die Medien in der Schweiz in dieser Situation die Ressentiments gegen die Deutschen in verantwortungsloser Weise noch schüren.
Wie sollen wir erst im globalen Sandkasten mit einander klarkommen, wenn nicht einmal Deutschschweizer und Deutsche einander verstehen?
sikantis · 17. Juli 2008, 04:49 · #
Ich kann dem nur zustimmen. Mit Klischees über DEN Deutschen und DEN Schweizer erreichen wir niemanden mehr. Wir sind Menschen. Von der Wertschätzung her gesehen sind wir alle gleich wertvoll. Von unserer Persönlichkeit her gesehen sind wir alle verschieden. Wir können uns mit niemandem vergleichen, wir sind alle zu verschieden. Und gleichzeitig alle gleich wertvoll.
ThomasK · 17. Juli 2008, 14:40 · #
Die Nationalität spielt wohl auch nur dann eine Rolle, wenn es nichts anderes gibt, an Identifikationsmerkmalen.
Sobald ein gemeinsames Interesse, ein Hobby, eine Leidenschaft da ist, tritt die Frage ob .ch oder .de stark in den Hintergrund.
Beispiel: Beim Modellbahner wird es nicht so wichtig sein, welcher Nation er abstammt / angehört.
Die Frage nach der Spurweite ist wichtig (H0, N, Z).
Wechselstrom oder Gleichstrom.
Analog oder Digital.
Bahntechnik ist finde ich gar kein schlechtes Thema, wo man sehr wohl friedlich und wertschätzend über den eigenen Tellerrand hinausschauen darf/kann/tut.
Der Schweizer wird sicher den ICE zu schätzen wissen… oder Mehrsystemloks aus Deutschland.
Der Deutsche wird sich im GTW, Regioshuttle oder FLIRT sicher wohl fühlen… (wäär hat’s erfunden?)
Vom Gotthard-Basistunnel haben beide Seiten etwas. Und auf ihren Bahn(sinn) darf die Schweiz finde ich sehr wohl stolz sein…
—-
Das .de-.ch “Sandkasten-Problem” hat sicher was allgemeines von “Nachbarschaftsproblem” — wo es viele Gemeinsamkeiten gibt.
Symbolisch übertragbar:
Der Metaler sagt über den Goth, dass er arrogant, hochnäsig und elitär sei… der Goth über den Metaler, dass er primitiv ist und stinkt.
Es wird gelästert, gepiesakt, abgegrenzt und gestänkert — sich aber auch, gemeinsame Konzerte besucht, stilistische Crossovers gebildet…
und wenn Amor den Blitz schleudert, wird sich auch verliebt über die (selbst auferlegte) Grenze hinweg.
Recht ähnlich wie es innerhalb der Schweiz um die Frage des “echten Schweizers” geht mit Fingerzeig gegen die jeweils “unechten” geht es innerhalb der Subkulturen zu… jedenfalls beim “Nachwuchs” (der das noch ernst nimmt mit der ganzen Identifikations-Schose)
Es mutet nicht nur albern an, sondern ist es auch, wenn immer wieder der Fingerzeig kommt nach dem Motto : “ih schau mal den da – wie kann man nur – das ist doch nicht echt! Das ist doch nur pseudo”.
Ein gutes Stück weit hat das alles was von Beschäftigungsmaßnahme, weil es keine echten Probleme oder Differenzen gibt. Ganz normales Affentheater… noch dazu mächtig pubertierendes.
Ich hab dieses Beispiel bewusst gewählt, weil es so schön inkompatibel zum Wunschkontakt (Schwiegersohn) ist und ein Großteil sich sicher davon “als erwachsen” distanzieren mag…
Gehässig gefragt: Ist der .ch-.de Abgrenzungs-Sandkasten wirklich ERWACHSENER?
Oder nicht doch ein Stück weit einfach “Schulhof-Niveau”?
Ist die Selbstfindung wirklich abgeschlossen, wenn sie sich jeweils mit dem Fingerzeig auf die anderen definiert?
Im Falle von Musikkulrur ist es der Lauf der Dinge, dass die Individuen irgendwann das alles kaum noch ernst nehmen, hören, worauf sie Lust haben und nicht, was sie “dürfen um True zu sein”... und überhaupt ziemlich viel von all dem Firlefanz hinter sich lassen…
Wie lange wird es wohl dauern, bis das auch bei den benachbarten Nationen der Fall sein wird?
Im Moment ist das alles noch hier und da reichlich “EMO”... da heisst es wohl noch das ein oder andere mal Augen zu und “durch den Monsun”... lach... und diverse Gazetten dürfen hin und wieder die Bravo sein… eventuell sogar mit Foto-Love-Story… besonders gerne zur Fußballzeit, wenn wieder Karneval ist.
Thinkabout · 17. Juli 2008, 18:02 · #
@Patrick (5):
Ich freue mich, über Dein Beispiel! Auch ich kann durchaus durch meinen Alltag wandeln und der Meinung sein, wir hätten kein wirklich echtes Problem mit einander. Bis sich an einem Thema, an das man ein wenig Herzblut hängt, die Flammen entzünden. Deinen Optimismus, dass in zwei, drei Generationen nichts mehr davon zu spüren sein wird, teile ich leider nicht. Wenn ich meine Wahrnehmungen mit jenen vor zwanzig Jahren vergleiche, so stelle ich keine Verbesserungen fest, sondern eher das Gegenteil…
@Flashfrog (6):
Mich machen Deine Erfahrungen traurig, aber ich ziehe Deine Empfindungen nicht in Zweifel. Ich glaube sie Dir. Was die Medien betrifft, so wird es immer so sein. Beidseits. Zumindest bei den grossen Buchstaben. Die aktuelle Blick-“Debatte” war da wohl etwas das Gegenstück zu dem, was wir opportunistischen Geldsäcke uns angesichts der US-Forderungen nach Holocaust-“Reparationszahlungen” der Schweizer Banken in der BILD-Zeitung anlesen konnten…
Mit Empörung lässt sich nun mal gut Kasse machen, und es wird mir immer schleierhaft sein, wie ausgerechnet die Boulevard-Medien immer wieder sich erdreisten mögen, die moralinsauren Zeigefinger aus dem Blätterwald zu heben.
@Sikantis (7):
Schön. Nur scheinen wir immer weniger bereit zu sein, jenseits der Stereotypen wirklich den Menschen zu suchen und die konkrete Erfahrung machen zu wollen, die einen eines besseren belehrt. Es ist doch so schön, nach dem Munde aller reden zu können und sich in der Gruppe einnisten zu können.
@ThomasK (8):
Das Beispiel mit den Modell-Eisenbahn-Freaks gefällt mir. Es kommt wirklich darauf an, auf was wir die Gewichtung setzen: Ob uns geholfen wird – oder von wem?
Was passiert allerdings, wenn die seltene Lok einfach nicht gekauft werden kann, nur weil da ein typisch arroganter Deutscher partout noch 200 Fränkli mehr dafür haben will?
Wir bewegen uns tatsächlich vom Hobby bis zum Geschäftskontakt in Sachen sozialer Kompetenz allzu oft im Sandkasten der persönlichen Eitelkeiten – und vor allem der Unsicherheiten.
Gedanke: Es bedeutet das Leben einer ganz bestimmen Selbstsicherheit, wenn man sich eines leisten kann: Freundlichkeit gegenüber allen Fremden. Der Lohn? Tendenziell viel weniger Fremdes um den eigenen Garten herum, als es gemeinhin andernorts empfunden werden mag.
flashfrog · 17. Juli 2008, 19:24 · #
@Thinkabout: Tut mir leid, wenn das jetzt so negativ rübergekommen ist. Die allermeisten Schweizer, die ich kenne, sind nette, aufgeschlossene, neugierige Menschen. Viele von ihnen haben selber schon eine Zeitlang im Ausland gelebt oder haben deutsche Vorfahren oder sind selber eingewandert (“Migrationshintergrund” wie das in D so schön politisch korrekt heisst) oder sind ausländisch verheiratet oder haben Verwandte und Freunde aus Deutschland…
Diejenigen, die ihre Vorurteile pflegen, die wird man wohl nicht überzeugen können. Das sind die Mühsamen. Aber sie sind meiner Erfahrung nach in der Minderheit. In der Schweiz ebenso wie in Deutschland.
Ich würde mir nur wünschen, dass die Medien ein bisschen zu Verständnis und Toleranz beitragen anstatt Ängste zu schüren. Und, ja, wir sollten mehr über einander lernen, mehr mit einander reden, das ist die beste Medizin gegen Vorurteile.
ThomasK · 18. Juli 2008, 00:34 · #
@Thinkabout: Der Gedanke gefällt mir… da ist wirklich viel dran, wenn man es sich auf der Zunge zergehen lässt. Viel mehr als in dieser einen Relation. Das hat man überall… unterschiedlich skaliert. Das Unbekannte ist hier denke ich der Schlüssel.
Wenn ich jemanden kenne, brauche ich keine Pauschalisierungen mehr und keine diffusen Projektionen. Dann weiss man wenigstens konkret, was man am anderen nicht leiden kann… oder eben doch. Zumal die Vielfalt und die Unterschiede das Salz in der Suppe ausmachen.
Was die Lok angeht… nun.. ich kann da nicht wirklich mitreden, weil ich nur als kleine Junge mal ne Bahn hatte. Aber die Preise sind oftmals krösus… vermutlich auf beiden Seiten der Grenze.
Und vor allem so ein Krokodil hätt ich früher echt gerne mal gehabt :-)
Wenn es im Land wäre, würde man sagen: doofer Typ (der Verkäufer) — wenn es auf ein Klischee auf der anderen Seite der Grenzlinie fällt, kann man es am Beispiel bestätigen… muss aber nicht.
Als Antwort: versuchen, den Preis runter zu handlen :-)
(besonders) Dem letzten Satz von Flashfrog trifft den Nagel auf den Kopf! Information und Kommunikation ist das beste Mittel gegen alles, was auf diffusem Nährboden wächst… allem voran Vorurteile.
ThomasK · 18. Juli 2008, 00:51 · #
Nachtrag zu meinem letzten Absatz: Dem Dativ ist dem Nominativ sein Tod.
Was generell immer hilft: Eine potentiell entzweiende Sache, nicht all zu ernst nehmen und drüber lachen können… sehr wohl auch über seine Landsleute — und natürlich sich selbst.
Das Leben schreibt doch seine ganz eigenen Geschichten, mal heiter, mal drastisch, mal wundervoll und mal bitterst — und lacht über solche künstlich auferlegt dramatischen Oberflächlichkeiten…
Im Grunde ist das alles doch lebens-irrelevanter Käse… allerdings nie wirklich herzhaft aromatischer Hüttenkäse… eher so ein schwabbeliges Molkerei-Vorprodukt unter latentem Gammel-Verdacht.
von Relax · 19. Juli 2008, 01:09 · #
@flashfrogg hat das sehr gut beschrieben, da schliesst sich von Relax gerne bekennend an.
von Relax
Thinkabout · 19. Juli 2008, 01:16 · #
bin übers Wochenende sehr mit Real Life beschäftigt, gehe ab Dienstag aber sicher wieder auf Eure Kommentare ein
marc · 24. Juli 2008, 17:09 · #
das problem mit den deutschen ist gleich das der Gastarbeiter aus der türkei oder dem balkan. sobald es zuviele werden wird es für die einheimischen ungemütlich. viele sagen ja die deutschen die menatlität ist ähndlich unserer. Stimmt nicht. die der bayern event und ie der schwaben auch aber der rest ist sehr entfernt von uns. suchen sie mal einen deutschen der 20 jahre hier lebt und schweizerdeutsch redet. hollander , schweden , engländer spanier kroaten….. usw werden sie finden deutsche sogut wie keine. Ein spanier türke …. bereichert auch unsere kultur bringt neues mit . was hat ein deutsche zu bieten ausser tschibo cafe aldi lidl eigentlich nichts. die zeiten als deutschland noch was zu bieten hatte sind vorbei. wo sind den die einsteins Gustav Hertz, Otto Meyerhof und soweiter heute? die meisen klugen köpfe waren eh deutsche mit jüdischem background. Und was mich am meisten stört ist das nun unsere schweizer kinder auch im chinski bereits schriftdeutsch sprechen sollen anstatt die eigene sprache zu lernen. schwyzerdütsch ist nicht niedlich wie von den D bezeichnet sonderen unsere sprache.
MacZuerich · 24. Juli 2008, 17:50 · #
Ach je, wieder die Mär von der eigenen Sprache. Wie kann Schwyzerdütsch eine eigenen Sprache sein, wenn ihre Schriftform eine andere Sprache (Hoch-/Schriftdeutsch) ist? Schyzerdütsch ist, ebenso wie Schwäbisch, Bayerisch und anderen, eine Sammlung von Deutschen Dialekten. Warum soll ich als Deutscher in der Schweiz Dialekt reden, wenn ich das schon in Deutschland nicht mache? Und wenn schon Dialekt, welchen denn? Züridütsch, Berndütsch, Basler Dialekt? Welchen nun? Für die genannten Nationalitäten ist die Gemeinsame Sprachen von Deutschland, Österreich und der Schweiz, nämlich Deutsch, eine Fremdsprache. Um mich in einem der Länder verständlich machen zu können, muss ich Deutsch lernen, keinen Dialekt. Oder wird im Tessin oder der Romandie neuerdings Züridütsch unterrichtet?
Den Rest zu kommentieren verkneife ich mir.
Thinkabout · 24. Juli 2008, 18:55 · #
@flasfrog – keine Sorge, das kam, zumindest bei mir, nicht negativ rüber. Und die Medien mit den grossen Buchstaben werden beiderseits des Rheins noch so gerne die Unzufriedenen gegeneinander ausspielen, auch in Zukunft, wenn es sich geschäftlich lohnt, aber das sagte ich ja bereits.
@Marc:
Ich will Sie nicht mit unter dem Teppich weggezogenen Füssen in den Feierabend schicken und deshalb eine Aufzählung hier machen mit Schweizern, die mit deutschem Wurzeln oder jüdischen, zu ihrem Nationalstolz beitragen.
Und Deutsche reden ja vielleicht auch deshalb auch nach zwanzig Jahren nicht “Mundart”, weil wir zwar dem Kosovaren und dem Holländer ein Kauderwelsch verzeihen, nicht aber dem Deutschen.
Und persönlich finde ich das sehr gut so: Die Deutschen bemühen sich, uns im Dialekt zu verstehen, so dass wir umgekehrt so reden können, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Das führt dazu, dass sich beide Seiten auf den Inhalt konzentrieren können.
Und warum wohl reden Schweden nach zwanzig Jahren Dialekt mit uns? Weil sie den lernen, statt Hochdeutsch. Zumindest, wenn sie bei uns in der Deutschschweiz leben.
Ihr Statement ist, verzeihen Sie, daneben.
@MacZuerich:
Ich bin mit Ihnen nicht ganz einverstanden: Der Schweizer Dialekt mag tatsächlich nur ein Dialekt sein. Wir empfinden ihn als eigene Sprache, und der Aufwand für uns, korrektes Deutsch in der Schule zu lernen, ist beträchtlich. Die Worte und Satzstellungen sind zum Teil total unterschiedlich, die Aussprache sollte sich ein wenig anpassen, die Zeitformen sind erweitert (versuchen Sie mal im Dialekt zu sagen: “Ich schrieb”).
Wichtig ist hingegen Ihr Hinweis, dass NICHT Dialekt zu reden dem Verhalten entspricht, das auch in Deutschland gelten kann. Nur bitte ich auch hier zu berücksichtigen:
In den meisten Gegenden Deutschlands, ich rede nicht von Kölsch oder plattdeutsch z.B., ist der Hemmschuh, vom Dialekt zum Hochdeutsch zu wechseln, kleiner als bei uns.
MacZuerich · 24. Juli 2008, 19:54 · #
ª Thinkabout
Ich bin mit allem einverstanden und würde deshalb auch niemals von einem Schweizer verlangen mit mir Hochdeutsch zu sprechen. Allerdings erwarte ich schon, dass die gemeinsame Standardsprache verstanden wird. Ich lebe seit 12 Jahren in Zürich und verstehe die meisten Dialekte mit denen ich zu tun bekomme. Wenn mir einmal ein Begriff unbekannt ist, frage ich halt. Das ist genauso wie in Deutschland oder Österreich.
Lustig wird es dann wenn, wie z.B. in Österreich, Begriffe eine andere Bedeutung bekommen. Bestellen Sie in Wien eine Ananas bekommen Sie eine vollkommen andere Frucht als hier. Sie bekommen dort eine Erdbeere.
marc · 25. Juli 2008, 10:19 · #
sorry, das schweizerdeutsch nur ein dialekt ist, mit der begründung das wir keine eigene schriftsprache haben ist unsinn. Bei genauer betrachtung der grammatik wie auch der bedeutung von wörtern wird man einen unterschied feststellen vom BRD Deutsch zum Deutsch in schweizer Zeitungen. Aber wie auch immer … Auf jeden fall gibt es meinem Vorurteil gegenüber dem grossen Nachbern wieder einmal recht.
“Schyzerdütsch ist, ebenso wie Schwäbisch, Bayerisch und anderen, eine Sammlung von Deutschen Dialekten. Warum soll ich als Deutscher in der Schweiz Dialekt reden, wenn ich das schon in Deutschland nicht mache? “
ist doch eine ziemlich arrogante Aussage, oderrrr? Zumindestens für uns schweizer. Der unterschied zu Ihnen als Deutsche ist das wir Schweizer sind. Bayern z.B. sind auch Deutsche (auch wen die Bayern es nicht gerne hören). Die Personnenfreizügikeit berechtigt sie nicht unser land zu kolonisieren. wir aktzeptieren die deutschen, keine frage, aber wir verlangen auch das diese sich bei uns integrieren
.und nicht wir uns ihnen anpassen müssen.
Thinkabout · 25. Juli 2008, 10:40 · #
@Marc:
Ihre Kommentare geben vor allem einem Recht: Der Erkenntnis, dass Vorurteile wie die Ihren auch auf dem dringenden Verdacht beruhen, selbst nicht ernst genommen zu werden, was einfach Unsinn ist.
Schweizer Autoren sind – mit ihrer Art Deutsch – übrigens in Deutschland oft sehr hoch angesehen. Und kein Deutscher sähe darin ein Problem.
Und Ihre Angst, kolonisiert zu werden, ist geradezu paranoid.
Dass SIE zu jenen gehören, die Deutsche akzeptieren, halte ich für ein blosses Lippenbekenntnis ohne inhaltlichen Wert.
Auf meine obigen Hinweise an Sie in Kommentar #17 gehen Sie mit keiner Silbe ein, und ich denke, Sie wissen, warum.
marc · 25. Juli 2008, 11:11 · #
@Thinkabout ich gebe ihnen recht, z.B. die Deutsche die im DOK Film schwyzerdütsch lernte wirkte schon lächerlich. Aber versuchen sie die sprache als sprache zu verstehen und zu lernen. nicht im hinterkopf immer denken ach ist das niedlich. die werden merken das es kein schnäppchen ist. Ich selbst habe im Mannheim studiert und bin stolz die manhem sprach zu behersche. was nun wirklich nur ein dialekt ist. sobald ich mite enem D deutsch spreche denkt er ich bin aus mannheim. Allerdings spreche ich in D lieber mit CH dialekt. Man beachtet mich dann mehr.