Das Elend unseres Überflusses
Wir und unsere Bedürfnisse im Angesicht eines Abflusses…
Gestern, bei der Morgentoilette, ist mir wieder einmal der ganz normale Irrsinn unseres Alltags bewusst geworden; und er hallt bis jetzt nach, so dass ich noch darüber bloggen will.
Ich rasiere mich nass und lasse dafür Wasser ins Lavabo ein. Mehr als nötig wäre. Viel mehr. Und am Ende des Rasierens ist eine ganze Schaumflocke übrig geblieben, die jetzt nutzlos auf dem Rasierpinsel hockt.
Ich lasse das Wasser ab und bin richtig deprimiert. Mir ist bewusst, wie sehr mein Alltag von sinnlosem Überfluss, ja von Verschwendung begleitet wird. Es ist nicht nur so, dass wir alles und viel mehr haben, als wir brauchen. Wir verbrauchen es auch noch extensiv, aus reiner Gedankenlosigkeit, ohne Bewusstsein für die Verschwendung.
Ich mag gar nicht aufzählen. Wir alle wissen, von was ich rede. Und ich glaube, dass dies ein ganz unbewusstes und tiefes Elend ist, das in dieser unserer Gesellschaft steckt, sich darin eingegraben hat und uns im Grunde gar kein gutes Gefühl in unserem Alltag mehr erlaubt: Wir haben jedes Mass verloren. Wir alle definieren unsere Bedürfnisse nicht am Notwendigen, sondern am Wünschbaren. Und machen das Zweite zum Ersten…
:::
[Bildquelle: Brot in Wien, robinwood.de ]
°

Arnd · 7. Juni 2008, 11:58 · #
Hallo Thinkabout:
Ich stimme deiner Analyse unseres oft gedankenlosen Verhaltens völlig zu. Nur, Weinen allein ändert nichts. Lass morgen einfach etwas weniger Wasser ins Lavabo ein und freu dich, wenn du das auch übermorgen nicht vergisst. Und nur, wenn immer mehr Menschen persönlich bereit sind, täglich in kleinen Schritten gegen dieses tiefe Elend, von dem du sprichst, anzukämpfen, können wir den grossen Kollaps hoffentlich noch verhindern.
Christa · 7. Juni 2008, 14:02 · #
Hallo Herr Thinkabout,
ich bin schon sehr lange stille Leserin Ihrer schönen Seite. Ich mag Ihre Gedanken und es kommt vor, dass ich hin und wieder auch länger in Ihrem Gedankenraum verweile. Zu Wort habe ich mich allerdings noch nie gemeldet. Wozu auch?
Heute jedoch, möchte ich Ihren Beitrag sowie den Kommentar von Arnd, gerne mit einem afrikanischen Sprichwort aus meinem Zitatenschatz ergänzen:
Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten,
die viele kleine Schritte tun,
können das Gesicht der Welt verändern.
Thinkabout · 7. Juni 2008, 15:46 · #
Danke Arnd und Christa: Es ist ja durchaus so, dass gerade darin, den bewussten kleinen eigenen nächsten Schritt zu tun, das Allerwichtigste liegt:
Die Erkenntnis, etwas tun zu können, soll stärker sein als das Gefühl, es wäre unbedeutend. Es kann nicht wichtiger, aber nicht unwichtiger sein, als ich es selbst für meine Welt bin.