Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Das Diktat des Geschenks

∞  17 Dezember 2009, 20:52

Der Text entsteht unter den noch sehr frischen Eindrücken eines vorweihnachtlichen Einkauftripps von heute Nachmittag. Aber ein Eindruck solcher Art entsteht ja mindestens einmal jedes Jahr zur ungefähr gleichen Zeit, und so habe ich keine Hemmungen, gleich in die Tasten zu hämmern. Was sich jährlich wiederholt, ist irgendwie auch von Dauer, nicht wahr?

Kennen Sie auch Paare, Familien, die sich entschlossen haben, sich an Weihnachten nichts zu schenken? Alle haben davon gehört – und doch sind die Geschäfte in diesen Wochen übervoll – und zwar nicht nur von Waren. Der Detailhandel macht jedes Jahr (noch) höhere Umsätze. Also, entweder kompensieren diejenigen, welche sich noch was schenken, das Ausbleiben der anderen, indem sie noch ein paar Hemmungen bleiben lassen, oder sonst stimmt etwas nicht an diesem vermeintlichen Trend.
Sind Sie womöglich Teil dieser Bewegung? Und wenn ja – wie konsequent halten sie es denn durch?

Thinkabouts gehören zu jenen, die sich an Weihnachten nichts schenken. (Die sich überhaupt nichts schenken, aber dazu später mehr). Und noch so gerne würden wir das wenigstens in gerader Linie auf unsere Eltern ausdehnen. Geht aber nicht. Obwohl sich die Eltern erst recht immer wieder verlauten lassen, “sie hätten ja alles”. Und einen Wunsch haben sie deshalb auch keinen, es sei denn einen “unbrauchbaren”, dahergesagten, einen Alibi-Wunsch eben. Aber auf Geschenke verzichten? Geht irgendwie nicht. Das wäre kein Weihnachten mehr. Irgendwie. Sagen ganz ernsthaft gläubige Christen… Bei meiner Mutter geht’s für mich auch nicht, aber das hat mehr mit meinem Gewissen zu tun als mit meiner Mam, weiss Gott. Und Kinder soll man auch beschenken, oder? Gleiches Schenkrecht für alle. Diese Kinderaugen!

An diesem Nachmittag heute sehe ich andere Augen. Und ich selbst habe wohl auch solche. Ich gehe suchend durch die Geschäfte, aber meine Augen bleiben nirgends kleben, und wenn sie es doch tun, ist es so offensichtlich, dass sie einer offensiven Werbung aufgesessen sind, dass ich mich verärgert abwende.

Glückliche Gesichter sehe ich eigentlich keine. Alle sehen so aus, als wären sie lieber wo anders. Allen geschieht, was jedes Jahr geschieht: Sie sind zu spät dran.

Was habe ich denn gesehen, an das ich mich noch erinnern kann? Markenartikel, die doppelt so teuer sind wie in Deutschland. Und einen Helikopter, der tatsächlich fliegen kann – für 59 Franken. Inklusive Fernsteuerung. Made in China. Beides macht mich wütend. Ersatzteile für den Helikopter sind ganz sicher nicht zu erhalten. Bei Reparatur innert der Garantiezeit gibt es einen neuen, der genau so schnell kaputt ist. Was da für ein Schrott in so einem Einkaufszenter herumliegt?! Und das Schlimmste: Das meiste wird (viel zu schnell) zu Schrott und Abfall. Das Nichtverkaufte und das Nichtgebrauchte.

Das Alibi-Geschenk, das Verlegenheitsgeschenk, das Anstandsgeschenk. Alles kann so manchem gestohlen bleiben. Stattdessen kriegt er es geschenkt. Tauschbörsen, Umtauschbörsen. Im besten Fall Pakete nach Rumänien.

Es stimmt: Wir haben alles. Für Sie kann ich und will ich es nicht beurteilen. Aber meine Frau hat Recht: Wir haben alles. Und viel zu viel darüber hinaus. Die Kleiderschränke sind voll, der Kühlschrank auch, Radio, Computer, Fernseher tun den Dienst auch noch, meist viel zu oft und viel zu laut. Aber an Weihnachten packt man und frau gerne noch was drauf.

Wie weit funktioniert eigentlich unsere Gesellschaft (und unsere Wirtschaft) durch das Diktat des Geschenks? Der Schenker gibt sein Diktat ja irgendwie weiter. Wird Dir was geschenkt, sagt man, natürlich, danke. Und dann, wie weiter? Das Buch zu den anderen noch nicht gelesenen, die Vase nach oben hinten im Schrank, es ist die dritte schlanke grosse, und, herrje, die Notiz nicht vergessen, damit man das nächste Mal daran denkt, sich zu revanchieren.

Natürlich: Sie können sich dem allem entziehen und sagen: Das geht mich nichts an. Sie schenken nicht und nehme die Geschenke einfach so hin, wie sie vielleicht sogar gemeint sind: Als spontane Zuneigungsbezeugung. Schön. Aber irgendwann meldet sich das Zipperlein im vom Egoherzlappenzipfel gesteuerten Hirnwinkel, und man findet: Eigentlich hätte er sich schon mal melden können! Und umgekehrt: Was schenke ich dem denn jetzt? Und nochmals anders rum: Weiss ich überhaupt, ob die Kravatte letztes Jahr gefallen hat? Hat irgend jemand irgendwann später noch was gesagt? Schmeckte die Marmelade, die ich selbst gemacht hatte, eigentlich?

Da verpufft viel Wohlfühl-Einforderungsenergie, die sich erst in einem einzigen Moment unter einem farbig behängten Bäumchen ansammelt und dann eruptiert (wenn’s hoch kommt), und im Äther zerstäubt. Bis sie erneut von Nöten wäre, um die nächste Blase zu bilden.

Weihnachten ist nun halt mal das Abbild unserer ganzen Wirtschaftsleistung, die zu ihrem Grossteil darin besteht, dass wir viel zu viele Güter herstellen, die viel zu viele Menschen eigentlich nicht brauchen, weshalb wir sehr viel für Marketing bezahlen, damit wir dann meinen,wir müssten das jetzt doch haben – nur schon, um die Freizeit auszufüllen, die früher kam wie ein Geschenk, heute aber zur Aufgabe, um nicht zu sagen, zur Herausforderung der Familie geworden ist.

Thinkabouts schenken sich also nichts. Auch sonst nicht. Thinkabouts haben alles. Und was sie brauchen, kaufen sie sich oder sie sparen sofort drauflos. Thinkabouts sind in dem allem zusammen. Und wissen eins: Das Geschenk ist, dass man das als Partner versteht: Dass kein Geschenk gewünscht wird. Und kein Gefühl, eine Bringschuld zu haben, ist einer Partnerschaft dienlich.

Stress, der in irgend einer Weise organisiert wird, auch nicht. Nie ist Stress so abstrus, wie wenn es um die Causa Geschenk geht.


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Bild: Wertvolles Geschenk bei der Schneiderin
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  1. Tina · 18. Dezember 2009, 04:15 · #

    Jetzt ist man doch noch nicht zu spät dran, erst am 22. wirds langsam eng! Und was glaubst Du, was an den letzten beiden Tagen noch alles an “allgemein Unverbindlichem” gekauft wird, was man dann – wenn sich der Besuch bei der Schwester zerschlägt – locker auch dem Opa schenken kann, oder im Januar einem Geburtstagskind!
    Um Gottes willen, wer ist denn an Ersatzteilen für den Helikopter interessiert? Ich vermute ja sowieso ein geheimes Abkommen zwischen Spielwarenhersteller und Eltern, die sich schweigend darüber einig sind, daß der herzallerliebste Trommelaffe nach den Weihnachtstagen ausgetrommelt haben sollte! ;-)
    Und wenn Du wissen willst, ob die von Dir geschenkte Kravatte gefallen hat, meldest Du Dich einfach direkt an den Feiertagen bei ebay an. Wenn Du sie da für 1,00 Euro wiederentdeckst, war es nicht so der Treffer! :-)
    …Wie schenken uns übrigens auch schon lange nichts mehr an Weihnachten! :-))

  2. Zappadong · 18. Dezember 2009, 08:54 · #

    Auch Familie Zappadong hat sich vor ettlicher Zeit in die Reihe der Nichtschenker eingegliedert. Ausnahme: Kinder :-) (Wobei Teenager ja sowieso Geld wollen, damit sie sich das kaufen können, was sie sich wirklich wünschen).

    Und so verschlägt es mich in dieser Jahreszeit noch weniger als sonst in die Geschäfte. Den Konsum ankurbeln müssen andere.

    Dafür sitzt dann die ganze, laute, fidele Zappadong-Familie überhaupt nicht besinnlich zusammen an Weihnachten, isst gut, lacht herzlich und hebt den Lärmpegel im Wohnviertel um 1000 Prozent.

  3. Caro · 18. Dezember 2009, 10:38 · #

    Schenken ist etwas Schönes. Ich hatte einmal einen Besuch bei einer Freundin in Deutschland geplant und wusste, dass irgendwie etwas erwartet wird, wenn nicht direkt, dann gehört es zum “guten Ton”, wie Weihnachten angeblich auch. Sie liest gerne Biographien, also bin ich mal in einen Buchladen gestiefelt. Aber welche Person kennt sie noch nicht? Bin dann bei den Hörbüchern gelandet, weil ich weiss, dass diese Freundin auch viel und lange im Auto unterwegs ist. Coelho? Ganz bestimmt nicht. Nach langem Stöbern stiess ich dann auf Hp Kerkelings “Ich bin dann mal weg”. Dazu noch ein Rotes Frottetuch mit weissen Kreuz und fertig war die Freude. Zeit? Ja, es hat Zeit gebraucht. Und Überlegung, ein Hineinversetzen.
    Ich denke, uns fehlt heute das Vermögen, uns Zeit zu nehmen, uns mit dem Anderen zu beschäftigen. Das verbergen wir dann erfolgreich dahinter, dass wir dem Konsumverhalten der heutigen Gesellschaft nicht aufsitzen wollen – und schenken nichts mehr.
    Dass mein Mann mir nichts schenkt – das habe ich gelernt zu akzeptieren. Aber mir macht es trotzdem Freude, mir – zuhause – zu überlegen, was ihm Freude machen könnte. Und es macht auch mir Freude.

  4. Zappadong · 18. Dezember 2009, 13:16 · #

    Oh, ich schenke sehr gerne. Aber nicht an zwangsverordneten Schenktagen :-)

    Herr Zappadong bringt mir öfters Blumen – aber nie, nie, nie an so einem Blumenschenkmusstag.

    Ich möchte dann schenken, wenn ich etwas sehe und denke: “Oh, das ist genau das, was sich xyz schon lange wünscht” oder “das muss ich einfach kaufen für xyz”. In solchen Fällen gehe ich total gut gelaunt zur Kasse.

  5. Caro · 18. Dezember 2009, 13:46 · #

    Und GERADE an solchen Pflichttagen wie Weihnachten oder Geburtstag reizt es mich, meine Gedanken auf diese Überlegungen zu konzentrieren. Und zwar nicht, indem ich durch Shoppingcenter oder durch Ebay düse, sondern mir ganz ruhig daheim überlege und mich wieder einmal ganz konzentriert diesem Jemand widme, mit seinen Vorlieben, seinen Träumen. Unter dem Jahr an etwas heranlaufen, das “ihm” gefallen könnte – das ist keine Kunst ;-)

    Valentinstag ist bei uns übrigens Tabu, ebenso Standartgeschenke wie Gutscheine, Kalender oder Süsses ;-)

  6. Marianne · 18. Dezember 2009, 22:28 · #

    Schenken ist etwas vom Schönsten das es gibt. Aber niemals in letzter Sekunde einkaufen. Das ganze Jahr halte ich die Augen offen: hier ein Buch, das genau zu meiner Tochter passt, dort ein Shirt für meinen Enkel etc. Im Dezember leere ich die grosse Schachtel und packe voller Freude die mit Liebe übers Jahr gesammelten Geschenke ein. Macht mich glücklich. Und immer bleibt Diverses übrig für das 2x Weihnachten-Paket, für die Lücken zwischen den Lebensmitteln. Was ich nie wollte, sind Muttertags-Sträusse und solchen Kram. Entweder spontan oder gar nicht.

  7. Titus · 19. Dezember 2009, 00:29 · #

    Das schönste Geschenk ist jenes, das man gar nicht erwartet. Insofern halte ich es wie Frau Zappadong: «Zwangsverordneten Schenktagen» liegen mir nicht.

    Besser geeignet wäre der Geburtstag, wobei man da eigentlich auch mindestens die Mutter beschenken sollte (welche doch am stärksten fürs gute Gedeihen von neuem Leben verantwortlich war).

    Was mich ob der Schenkerei an Weihnachten am meisten ärgert, ist, dass das, worum es eigentlich geht, kaum gefeiert wird… (selbst Krippenspiele, welche man unter den Baum legt, findet man gegenüber den prächtig glänzenden Weihnachtskugeln kaum).

    Alternativ sollten wir vielleicht besser ein Erntedankfest feiern, an welchem wir der Mutter Natur eben für die Ernte danken. Und warum nicht uns mit etwas aus der Natur beschenken (einen Korb voller Äpfel oder ein Flechtprodukt oder …)? Wir würden so eher den Reichtum der Natur eher schätzen und die Natur respektieren.

  8. flashfrog · 19. Dezember 2009, 12:47 · #

    Ich gehe da ganz einig mit Caro und habe mir deshalb diesmal vorgenommen, einfach ein bisschen ZEIT zu verschenken.

  9. Relax-Senf · 20. Dezember 2009, 03:19 · #

    @ alle: Herrlicher Artikel, herrliche Kommentare, um quer Beet anzuecken mit einer Mischung aus persönlicher und philosophischer Sicht. Zum Teil stimme ich Aussagen und zum Teil bin ich dezidiert anderer Ansicht. Einfach ist es noch, wenn es um Valentinstag und Muttertag geht. @ Frau Zappadong, klar gibt es am Valentinstag keinen verordneten Blumenstrauss zu kommerziellen Höchstpreisen im WINTER. Beim Muttertag ist es ähnlich. Kein schlechterer Tag zum Essen im Restaurant, wie am Muttertag. Das Personal gestresst und das Essen – am gleichen Ort – schlechter als sonst. Doch meine – verstorbene – Mutter, hat an diesem Tag immer zusätzliche Aufmerksamkeit bekommen sonst wäre dies eine GROSSE Enttäuschung gewesen, trotz allen Aktivitäten während dem Jahr. Eine andere Generation, eine andere Sicht, die sich aber noch riesig über ein ofenfrisches Gipfeli freuen konnte.

    Geht es um Weihnachten, sehe ich die Dinge völlig anders. Wie @ Marianne geschrieben hat, kann man sich das ganze Jahr über Gedanken machen, passendes Einkaufen und Aufbewahren. Passendes hat doch nichts mit dem Preis zu tun. Passendes reflektiert, das Interesse an einer Person, belegt echtes Zuhören während allen Treffen im Jahr. Man schnappt etwas auf, sieht per Zufall genau das Gesuchte und schlägt zu, z. B. für Fr. 5.- . Der Aufwand den Frau Relax fürs Geschenke suchen und einkaufen betreibt, ist sehr gross und dahinter steht die Absicht, Freude zu bereiten, ein Geschenk zu machen. Dazu gehört auch das schöne Einpacken der Geschenke. Beim Anblick meiner eingepackten Geschenke, sind ihr immer die Tränen gekommen, weshalb sie mir zur Hand geht. Ausser dem Geschenk für sie, da ich im Laden einpacken lasse oder sonst wird meine einpacken schon wieder als „eigene Kunst“ akzeptiert. Frau Relax würde ja auch nicht Gäste einladen und bevor die Gäste eintreffen mal sehen, was sich im Kühlschrank befindet. Der Vorgang zum akribischen Aussuchen und der Abstimmung des Menus, ist jedes Mal mit dem Aufwand für die Suche nach einem Weihnachtsgeschenk zu vergleichen. Aber so wie es eine Gast- und Esskultur gibt, gibt es auch eine Geschenkkultur und die gibt es nicht ohne Aufwand. Nur wer mit Liebe das Verwöhnen von Familie und Freunden betreibt, wird es nicht als nervende Arbeit erleben.

    Auch das Zeit schenken, kann ich – ohne tiefer gehende Erläuterung – nicht einfach annehmen. Ich habe immer zu wenig Zeit, aber wenn mich Familie und Freunde brauchen, Betonung auf brauchen nicht für die Unterhaltung, dann gebe ich Zeit sofort und nicht erst an Weihnachten. Aber an Weihnachten bin ich gaaanz relaxed und richte meinen Zeitbeitrag ganz auf das Wohlgefühl der Anwesenden aus.

    Natürlich ist eine Vereinbarung Okay keine Geschenke zu machen, aber dahinter steckt immer auch die Unlust für die Arbeit die sich daraus ausgibt. Keine Zeit und keine Kreativität sind tödlich für eine freudvolle Geschenkkultur. Schenken hat nichts mit Geld zu tun – unter richtigen Freunden und in der Familie. Wie von @ Marianne ausgeführt, kann man Weihnachtsgeschenke das ganze Jahr über besorgen, man muss nur wollen. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.

  10. Caro · 20. Dezember 2009, 11:45 · #

    @relax-senf: Ich frage mich oft, was hinter der Aussage steckt: “ich weiss nie, was schenken” oder “ich kann nicht schenken”.
    Ganz sicher reflektiert das Suchen nach etwas Passendem das Interesse an einer Person, wie Du ganz richtig schreibst.
    Aber ist es nicht oft auch die Angst, “zu versagen”? “Wie stehe ich da, wenn das Geschenk nicht passt?”
    Was widerum die Haltung des Schenkenden – oder eben Nicht-Schenkenden reflektiert: Es geht um ihn.

  11. Relax-Senf · 20. Dezember 2009, 13:24 · #

    @ Caro: Volltreffer “Angst, vor Versagen” sowie Mangel an Zeit, wobei ich keine Zeit aufwenden – nicht immer aber häufig – mit Unlust gleichsetze! Bei Zeit aufwenden stellt sich die Frage, ob es einem selber etwas wert ist und gegengleich sieht der Beschenkte nicht nur den materiellen Wert sondern meinen Einsatz an Zeit und Hingabe (was ich jetzt einfach mal als Liebe übersetze.) Liebe nicht einfach in einer Beziehung sondern Liebe zu Menschen die mir wichtig sind. Ist “Liebe” zu stark, setze ich Sympathie und eine gewisse emotionale Wellenlänge als Entscheidungskriterium voraus.

    Bei einer emotionalen Vernetzung – das Interesse muss aber gegenseitig sein – muss / sollte man keine Angst zu versagen haben. Es geht doch nicht ums Erbenzählen. Es geht um den Zeitaufwand und der kann trotz grossem Aufwand für kleine Geschenke nicht immer zu einem Volltreffer führen. Aber das ist doch normal. Mir ist noch niemand über den Weg gelaufen, der tagtäglich, in allem was er tut, Volltreffer produziert. Wir verzichten auf Geschenke machen, wir machen den Rummel nicht mit, ist ein halt ein cooles Zeitgeist statement. Geschenke machen hat jedoch mit WOLLEN und ZEIT zu tun. Lieben ohne Zeit führt in die Sackgasse und Liebe machen ohne Zeit, ist für die einen auch mehr Frust als Geschenk. Zeit und Freude am Tun sind Voraussetzung für gutes Gelingen, bei allem was wir machen (wollen).

  12. Janna · 20. Dezember 2009, 17:04 · #

    …eine Ehe – oder Partnerschaft -eine Familie…ohne Geschenke???
    geht gaaar nicht!!!!
    Irgendwann sieht man etwas und denkt: da würde sich der/die freuen…und nimmts mit…es MUSS ja nicht Weihnachten sein!!
    Und ICH freu mich, wenn sich jemand freut…wann auch immer….
    Und ich kann mich halt auch freuen – wie ein Kind…obwohl schon sixtyup… –

    wer nicht irgendwann mal was verschenkt, und sei es auch “nur” Zeit – sorry, der hat keinen Draht zum Nächsten..wenig Gespür ( Fachausdruck:emotionale Intelligenz…:-)..oder ist nur schlicht faul….
    oder drück ich das ZU extrem aus???
    …:-) Janna

  13. Relax-Senf · 20. Dezember 2009, 17:49 · #

    @ Janna: Ihr Beitrag könnte auch aus der Feder von Frau 60up Relax stammen, weil sie sich tierisch über jedes Päckli freut ohne den Inhalt zu kennen. Die Freude hält auch an, wenn aus dem Päckli ein Glas selber gemachte Konfi herauskommt.

    Um nicht als Scheuklappenbetrachter dazustehen, das Thema ist ja sehr vielfältig, will ich für Freunde doch noch Folgendes anmerken. Spontan beim Päckli öffnen kann ich mit Frau Relax nicht mithalten beim Freude zeigen. Bin etwas träge in dieser Hinsicht, brauche 24 bis 48 Stunden, und dann wenn andere es längst im Vorbei entsorgt haben, komme ich und gebe der zuvor unsichtbaren Freude mit Worten Ausdruck. Was zu früheren Zeiten sehr schwer zu verstehen war, hat Frau Relax inzwischen als liebe Eigenart schätzen gelernt.

    Frau Relax hatte kürzlich eine schwere Augenoperation und ich bin bewusst ohne Blumen zum Besuch gegangen, weil sie die Blumen ohnehin nicht sehen konnte. Gestern ist mir dies wieder eingefallen und ich habe meinen Blumenstrauss gekauft und überreicht. Damit will ich auch sagen, es geht nicht um den Zeitpunkt, es muss nicht Weihnachten sein, aber ein Leben ohne Stimmungsaufheller Geschenke, ohne die Erkenntnis da versucht jemand dir eine Freude zu machen, wäre ein Verlust an Lebensqualität.

    Aber es ist selbstverständlich individuelles Empfinden. An unseren Hochzeitstag denken wir immer mal wieder erst dann, wenn aus der F & F Gruppe Anrufe eintreffen. Womit gesagt sein soll, dass Anlass und Zeitpunkt zum Feiern natürlich nach eigenen Präferenzen wählbar ist.

  14. Marianne · 21. Dezember 2009, 20:11 · #

    @RELAX-senf: Ihre Bemerkung über den Hochzeitstag hat mich zum Schmunzeln gebracht. An unserem 50. Hochzeitstag (wir machen uns für den Hochzeitstag nie Geschenke) legte ich meinem Mann nur eine Karte auf den Frühstückstisch.Darauf dankte ich ihm für all’die Jahre, in denen er durch dick und dünn zu mir gehalten hatte. Er freute sich sehr darüber, blickte mich dann ganz betreten an und meinte “ich habe die Rosen vergessen”. Was haben wir da gelacht!

  15. Relax-Senf · 22. Dezember 2009, 13:16 · #

    @ Marianne: Flexibilität leben und nicht nur “immer” fordern, ist aus meiner Sicht sicher ein wichtiges Kriterium für stabile Ehen und Partnerschaften. Selbst bei LABs (Lebensabschnittpartner) würde die gemeinsame Wegstrecke länger werden, wenn öfters „wir” anstatt “ich” dominieren würde. Meine Blumensträusse kommen manchmal spontan – ohne Grund und ohne schlechtes Gewissen – und dafür erwarte ich auch Nachsicht, wenn sie unbeabsichtigt ausbleiben. Und wenn ich in ZH beim Sprüngli vorbei komme und aus einer Laune heraus für Frau Relax Luxemburgerli poste, dann ist es nicht ein Geschenk sondern ein Zeichen “du bist mir durch den Kopf gegangen” und ein banales Mitbringsel. So wie ich Thinkabout kenne und einschätze macht er diese Dinge täglich, weshalb ich sein Votum für keine Weihnachtsgeschenke schlicht als Koketterie einschätze. Er verschweigt uns, dass er Frau Thinkabout 364 Mal im Jahr mit Gutem verwöhnt und sich deshalb an Weihnachten eine Pause gönnt.

  16. Thinkabout · 22. Dezember 2009, 21:20 · #

    Wie, wenn das wirklich unbelastete und unbelastende Geschenk mehr ein Teilen wäre? Zeit wird doch nicht eigentlich geschenkt, sondern ich teile meine Zeit mit jemandem.
    Oder man teilt sich Arbeit. Dem hohen Bild, das Herr @Relax-Senf von mir entwirft, kann ich nicht entsprechen, es sei denn, die geteilte Arbeit in der Küche, tagtäglich fürs Abendessen, geht dafür durch. Da sind wir nämlich eisern. Thinkabouts Wife, was die Verköstigung von uns Beiden betrifft, die sie mit sehr viel Liebe zur Arbeit und zu mir angeht, und ich in meinem Zudienen, auf dass sich der kreative Teil ungehemmt entfalten möge. Wenn diese Teilung Geschenk ist, dann ist es das für uns beide – und so nehmen wir das auch wahr – weit weg von jeder Bringschuld oder Erwartungshaltung. Wir können gar nicht anders.

  17. Thinkabout's Wife · 22. Dezember 2009, 23:33 · #

    Mein Mann und Menschen, die ich meine Freunde nenne, sind mir in ihrem Sein das grösste Geschenk. Sie müssen mir nichts beweisen, ich weiss um ihre Liebe/Zuneigung, denn sie drückt sich im Umgang zwischen uns aus. Die materielle Ebene wirkt sich da eher störend aus; es käme ja auch niemandem in den Sinn, zu einem Diamanten einen Kieselstein zu packen.


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