Benaglio will beim Vaterwerden dabei sein
Diego Benaglio wird Vater. Geburtstermin für seine Frau ist der 8. oder 9. September. Just am 7. September spielt die Schweiz gegen England das erste Qualifikationsspiel für die Fussball-Europameisterschaft 2012. Es kann also sein, dass der Torhüter der Schweizer Nationalmannschaft bei diesem Spiel fehlen wird, denn Diego Benaglio soll seinem Trainer mitgeteilt haben, dass er bei der Geburt dabei sein wolle.
Das nimmt der “Blick” in seiner Ausgabe von gestern in einem Kommentar einer Reporterin namens Nicole Vandenbrouck zum Anlass, einen Kommentar zu schreiben.
Und dieser Kommentar ist einen Kommentar wert.
Frau Vandenbrouck ist eine Frau, was ihr natürlich per se schon Gewicht verleiht. Und der “Blick” ist DAS Medium für ein rechthaberisch patriotisch moralinsaueres Gesülz der ganz besonderen Art:
Das geht nämlich nicht, dass der Torwart des nationalschweizerischen Fussballs sich von einem Quali-Spiel wegen schlechter Familienplanung dispensieren lässt.
Zudem muss nach der Dame “eine Frau, die ihr Herz einem Profisportler schenkt, gewisse Umstände akzeptieren.”
Der Brustton der Überzeugung hält weiter fest, dass von einem Sportstar nicht verlangt werden kann, dass er für eine Geburt alles stehen und liegen lässt. Der Kerl hat ja auch eine Verantwortung gebenüber seinem Team!
Andere haben die Planung besser drauf, und dazu gehört natürlich auch, dass man den Kaiserschnitt zwischen zwei Terminen punktgenau zu setzen weiss (wenn Mann denn schon dabei sein muss).
Das Verrückteste an diesem unsäglichen Kommentar, der ganz offensichtlich nur dazu taugt, solche Gegenkommentare wie den hier zu provozieren, ist, dass die “Reporterin” ganz offensichtlich annimmt, dass der arme Kerl Benaglio sich einem ehefraulichen Verdikt beugt und fremdbestimmt handelt.
Und warum, bitteschön, soll ein Sportstar eine grössere Verantwortung gegenüber seinem Team haben als, z.B., ein Abteilungsleiter in einer Firma?
Es ist doch irgendwie tröstlich, dass diese Frage in diesem Fall ganz unter Männern gelöst wird. Dem Vernehmen nach hat Benaglio mit seinem Chef Hitzfeld gesprochen und der hat gemeint, “eine Abreise Benaglios müsste man in jedem Fall akzeptieren”.
Nachsatz: Das bringt mich wieder auf den kürzlich gelesenen Satz, dass die Geschlechterfrage mittlerweile vor allem eine Streitfrage unter Frauen ist. Irgendwie ist da was dran.
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Gerhard · 4. September 2010, 13:29 · #
Das ist der Kommentar einer einzelnen Person – sie steht somit nicht “für die Frauen”.
Man findet zu jedem Thema grundsätzlich diverse Ansichten – man muß sich nicht über die ereiffern, die einem ganz gegen den Strich gehen.
Das ist meine Meinung im Moment.
Alice · 4. September 2010, 15:30 · #
Und doch finde ich den Frage, ob die Geschlechterfrage vor allem eine Streitfrage unter Frauen ist, eine Frage, der man nachgehen sollte.
Beispiele: – Der Grabenkrieg über arbeitende Mütter versus Mütter, die zuhause bei den Kindern bleiben, wird unter Frauen immer noch heftigst und zum Teil weit unter der Gürtellinie geführt. – Niemand keift lauter über das Aussehen von Politikerinnen als Frauen (mir stecken immer noch die Online-Leserinnenkommentare über Hilde Fässlers Bundesratskandidatur in den Knochen … schon fast vor Zorn geifernd wurde sie als “Mannweib” betitelt, von Frauen, nicht von Männern)
Ja, man findet zu jedem Thema Ansichten, bei denen es einem die Haare aufstellt – als Frau stelle ich aber immer wieder fest, wie heftig und wie unfair Frauen Frauen an den Karren fahren.
Gerhard · 5. September 2010, 11:55 · #
Wenn dem so ist, Alice, was wäre der Grund?
Hast Du eine Idee?
Alice · 6. September 2010, 06:55 · #
@Gerhard:
Ich kann es nicht belegen, habe aber immer wieder Erlebnisse solcher Art. Den Grund kenne ich nicht. Manchmal scheint mir, als müsse Frau ihren eigenen Lebensstil verteidigen, indem sie andere Frauen heruntermacht (das gilt besonders für die Debatte zwischen Müttern und kinderlosen Frauen, aber auch in Bezug auf “karrieregeile Weiber” … diesen Ausdruck höre ich hauptsächlich von Frauen) – und manchmal denke ich, Frauen sagen und schreiben Dinge, um bei Männern Eindruck zu machen (auf Kosten anderer Frauen). Vor ungefähr zwei Jahren schien mir das ein richtiger Trend zu sein, dass Journalistinnen Artikel schrieben, die genau auf diesem Muster basierten. Zum Glück war das ein sehr kurzlebiger Trend.
Gerhard · 6. September 2010, 13:35 · #
@Alice:
Frauen sehen andere Frauen offenbar öfters als “Konkurrenten“an, so wie Du auch meinst.( Konkurrenz um was und wen, könnte man in diesem Zusammenhang fragen).
In einer Therapiegruppe von 12 Frauen und 12 Männern, an der ich einst teilnahm, war die Solidarität unter den Männern um einiges ausgeprägter, sehr zum Verwundern uns aller. Noch heute treffen sich 6, 7 Männer regelmässig freundschaftlich. Von den Frauen ist solches nicht bekannt. Da gibt es offenbar nur Paarfreunschaften.
Alice · 7. September 2010, 06:50 · #
@ Gerhard Ich weiss nicht einmal, ob sich Frauen als Konkurrentinnen sehen. Mir scheint eher, dass manche Frauen ihr Leben mit dem Leben anderer Frauen vergleichen und dann aus mir unerklärlichen Gründen das eigene Leben, den eigenen Lebensstil für sich rechtfertigen müssen, indem sie andere Lebensentwürfe kleinreden oder heftig ablehnend bekämpfen. Deshalb ist es häufig mit der Frauensolidarität nicht weit her, oder sie bleibt in einzelnen Gruppen, was die Grabenkämpfe noch vertieft, weil dann nicht nur Frau gegen Frau steht, sondern Gruppe gegen Gruppe.