Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.


Duett

∞  23. April 2014, 16:25 Kommentare

Musik ist Seelensprache. Es ist die Lyrik des Herzens.

Musik trägt die Worte des Zorns, der Wut und der Verzweiflung in die Welt. Mit keiner andere Ausdrucksweise können Menschen so eindrücklich für Menschen demonstrieren. Und Musik ist in ihrer Komposition und in ihrem Vortrag das Zusammenspiel von Menschen und Elementen, von tragenden Instrumenten und kolorierenden Stimmen. sie braucht Hinter- und Vordergrund, Band und Lead, und nicht immer ist das Vordergründige das wirklich Tragende. Im Vortrag liegt auch die Verführung der Eitelkeit, und um so phantastischer ist es, wenn die Stimmen sich suchen und finden, wenn die eine der andern schmeichelt und das gemeinsame Glück so gross ist wie das zwischen Bühne und Publikum. Für die magischen Momente, die auch mit dem besten Stück Musik immer wieder neu entstehen können, ohne dass es dafür eine Garantie gäbe. Die Intuition der Genialität braucht die offene Seele.

Bienen, Forscher und Pestizid-Verkäufer

∞  22. April 2014, 20:50 Kommentare

Seit ein paar Jahren ist es immer mal wieder ein Thema in der Presse: Das Bienensterben. Und dann vergessen wir es wieder. Bis zum nächsten Aufschrecken.

Denn die Aussagen, die da getroffen werden, sind eigentlich wirklich alarmierend:

35% unserer Nahrungsmittel sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen und schaffen es ohne sie nicht ins Lebensmittelregal.

In den USA sind in den letzten sechs Jahren Bienenvölker im Wert von 2 Milliarden Dollar gestorben. Die weltweite Bestäubungsleistung der Bienen schätzen Forscher auf 260 Milliarden Dollar pro Jahr.

Die Chemie-Lobby wehrt sich erfolgreich gegen ein Verbot von Pestiziden – ausser zur Flugzeit der Bienen. Das reicht nicht aus, um die Wechselwirkungen der Giftstoffe auf die Bienen ausreichend zu erforschen. Es gibt sogar Länder, welche Untersuchungen mit diesem Fokus verbieten bzw. Forscher zwingen, in andere Richtungen zu suchen.

Lobbyismus – er bestimmt unsere Politik und damit das Fortkommen von Interessengruppen. Die Spezies als Ganzes ist kein Thema. Arme Bienen. Bedauernswerte Menschen.

via mycomfor

Studie: Bienensterben in Europa ist alarmierend

und weiter via mycomfor Suchabfrage Bienensterben:

  1. Bienensterben: EU will Syngenta-Produkte verbieten (31. Jan. 2013)
  2. Bienensterben: Fluch und Segen von Pestiziden (25. Juni 2013)

Sieg und Niederlage

∞  21. April 2014, 20:09 Kommentare

Ich habe heute eigentlich einen Freudentag. Mein Lieblingsfussballclub, der FCZ, ist Schweizer Cupsieger und hat den zur Zeit so mächtigen Rivalen FC Basel 2:0 nach Verlängerung besiegt. Ich fühle mich ein bisschen an meine Kindheit erinnert, mit grooossem Plakat von Köbi Kuhn an der Kinderzimmertüre und mit Matchbesuchen mit meinem viiiiiel grösseren Bruder, wann immer es gegen den FCB ging. Kuhn gegen Odermatt, der schlitzohrige Fritz Künzli aus dem Quartier, in dem ich später studierte und dann auch arbeitete.

Alles so fein persönlich und irgendwie doch richtig Sport. Wir waren stolz und angefressen und haben selbst die Grasnarben umgepflügt. Und so freue ich mich auch heute. Aber ich ärgere mich auch. Denn auch diesmal ging es nicht ohne Sachschäden und Krawalle und ohne ein riesiges Polizeiaufgebot. Und das Verhalten der Clubführungen gegenüber ihren militanten Fans bleibt höchst zwiespältig. Es gibt – statt absoluter Nulltoleranz – ein in der Haltung ständiges Lavieren. Lässt man einen der Clubpräsidenten mehr als drei Sätze zur Fankultur von sich geben, stutzt man garantiert ein erstes Mal. Denn Aussagen wie jene, dass das Verhalten der Fans in und vor dem Stadion ein gesellschaftliches Problem spiegeln würden, das die Clubs nicht lösen könnten, helfen überhaupt nicht weiter. Tatsache ist, dass die Mobilität der vermummten Rabauken und ihre Aggressivität eine Macht darstellt, die umgekehrt hunderten von Familien den Stadionbesuch vergällen, weil die Väter einfach gar nicht erst in die Situation kommen wollen, dass sie ihren Sprösslingen sagen müssen: Wenn ich dich je bei so was erwische, dann…

Die Strafen sind viel zu milde, das notwendige Sicherheitsaufkommen viel zu gross. Dass überhaupt vermummte Fans toleriert werden, spricht schon für sich. Wer, bitteschön, muss sich vermummen, wenn er ein Fussballspiel besuchen will? Spielunterbrüche wie in Salzburg, Ausschreitungen auf Zuschauerrängen, bei denen Zürcher Fans auf die gegnerischen übergriffen wie vor wenigen Jahren im Letzigrund gegen die Grasshoppers – die Militanz nimmt ständig noch zu, und reagiert wird mit gutem Zureden oder mit unverändert lascher Gesetzgebung. Wollen wir uns das Fussballvergnügen nehmen lassen und den Sport nur noch am Fernsehen geniessen? Zu einem Tennismatch kann ich jederzeit gehen, da droht mir nichts von den Rängen, höchstens das Gerangel um einen ins Publikum geworfenen Ball. Sieg und Niederlage sind auch da wichtig, um nicht zu sagen, sehr wichtig. Aber die Regeln sind so klar, dass Fairplay leichter einzuhalten ist. Im Fussball wird zuweilen getrickst bis zum Abwinken, und Spieler werden noch geschützt, wenn sie anschliessend abwiegeln. “Professionell” ist, wer alles für die Mannschaft versucht, wirklich alles ausreizt, und dass man sich die Silbermedaille als unterlegener Zweiter im Final nicht umhängt, sondern sie sofort in der Hosentasche verschwinden lässt, ist eine Unsitte, die vor allem fehlenden Respekt vor dem Sieger beweist. Es ist salonfähig geworden, ausser dem eigenen Sieg einfach gar nichts zu akzeptieren. Mahlzeit. Genau diese Mentalität verhilft uns vielleicht einmal dazu, ganz oben zu stehen – aber es erhöht mächtig die Chancen, dass es niemanden interessiert, wenn wir später wieder mal am Boden liegen sollten.

Wollen wir das wirklich? Und wollen wir umgekehrt Krawallmacherei tolerieren? Wollen wir uns nicht endlich verantwortlich fühlen? Und uns wehren?


Bild: Basel, Champions League Spiel gegen Schalke 04, 1. Oktober 2013

Yahoopsen über Uli H.

∞  20. April 2014, 21:04 Kommentare

Yahoo gefällt sich seit Wochen mit immer neuen reisserischen Aufmachern zum Steuerprozess vs. Uli Hoeness auf. Und es wird nicht besser. Man hat sich ganz offensichtlich vorgenommen, diese Causa bis zum letzten Nichtereignis auszuschlachten. Das wird immer noch ein bisschen dümmer. Das einzig Gekonnte an den Artikeln ist die unsägliche Fähigkeit, Titel zu produzieren, aus denen die Leserschaft dann ableitet, da wäre nun etwas sensationell Neues zu erfahren.

Aber es ist nur heisse Luft. Eine Mücke die furzt, hat mehr Bedeutung. Und das Widerliche an der Geschichte ist, dass vordergründig von einem Schicksal geschrieben berichtet wird – bedient aber wird nur die Schadenfreude, und der Hohn, auf den H. nicht zu warten braucht. Kann man sich so was “verdienen”? Was geschieht mit uns, wenn wir über einen Menschen denken: “Geschieht ihm recht!”?

Was macht das mit uns, wenn wir solchen Stuss konsumieren? Und welchen Wölfen werfen wir mit Clicks noch Futter in den Rachen?

Letzte Wegstrecken

∞  19. April 2014, 21:18 Kommentare [4]

Was zählt am Ende?
Vor dem grossen Abschied?

Was wir hinterlassen?
Was wir mitnehmen?
Wer um uns trauert?
Was uns Angst macht?
Was wir überwinden?
Was wir lassen dürfen?

Was wir lernten.
Was wir sahen.
Frieden suchen.
Frieden finden.

Karfreitag

∞  19. April 2014, 12:19 Kommentare

Der Text zu Karfreitag ist flutsch durchs Netz gerutscht.
Ich leiste ihn jetzt auch gar nicht nach, schreibe ihn nicht neu.
Karfreitag ist ein Ruhetag. Er darf es auch in dieser Form gewesen sein.

Nachgedanken: Journalismus, Wettstreit, Reallife, Liebe

∞  17. April 2014, 17:27 Kommentare

Es ist halb sieben Uhr abends, und ich sitze immer noch in der Frühlingsabendsonne draussen. Wer um alles in der Welt konnte eigentlich jemals gegen die Einführung der Sommerzeit sein?

*

Wir haben heute spektakuläres einfaches Reallife gelebt. Zusammen die Wohnung geputzt, Zvieri vorbereitet, Osterdekoration erstellt. Zusammen geredet, gesprochen. Gespräche geführt unter Kameraden. Und uns dabei über unsere Affinität für das Virtual Life unterhalten. Und darüber, wie relativ real dieses ist – das beginnt schon bei den Robots, die sich durch die Blogs clicken. Wie viel Beachtung gibt es wirklich, jenseits der engeren Blogfreunde, die vorbei kommen – und dabei wirklich einen Besuch machen?

*

Ich denke an den gestrigen Bericht im Radio über die Probleme des Journalismus, dessen Bedeutung ständig sinkt. Nicht in Krisenländern. Sondern bei uns. Hier ist die Krise mitten in uns. In unserer Trägheit, mit der wir alles hinnehmen, immer mit dem einen Satz im Kopf: Was lässt sich denn schon dagegen tun? Auch Journalismus richtet sich nach Wirtschaftlichkeit. Geschrieben wird, was verkauft werden kann. Pressebarone sind Witschaftsbarone, nicht Verleger. Nicht mal mehr Bücher werden verlegt. Sie werden heute produziert. Und wer “sein” Buch schreiben will, das ist die Kehrseite, lässt sich das im Internet drucken oder vertreibt es als e-book. Es gibt auch die Autorität des Verlages nicht mehr, der ein Buch wählt, eine Perle entdeckt. Und wer entdeckt wird, wird gegängelt, mit Knebelverträgen. Veröffentlichung nur mit uns, Konzert nur laut unserer Agentur, das nächste Manuskript für Buch Nr. 2 in spätestens 12 Monaten. Allez hopp, wenn nicht grad Vermarktungsverpflichtungen für Nr. 1 anstehen.

*

Wir denken in Beträgen und nennen das Wettbewerb. Wie sollten wir diesen Wettstreit denn anders werten? Welche Werte gibt es denn noch, auf welche unserer Überzeugungen ist Verlass? Reden wir so, wie wir gestern getönt haben? Wenn für andere das Machbare zum Massstab wird, was sollen wir uns denn mit Prinzipien aufhalten?

*

Ich liebe Dich. Das taugt zwar auch nicht als Prinzip. Ist aber ein schöner Antrieb, das eine Prinzip aufrecht zu erhalten: Immer mal wieder zusammen zu werkeln. Nicht nur für den Osterbaum.

Thinkabout wird alt

∞  16. April 2014, 22:07 Kommentare [1]

Ich glaube nicht mehr an die Menschen. Mein Weltbild hat sich verschoben. Mein bester Freund schreibt mir, er würde aus meinem Blog eine gewisse Resignation heraus lesen.

Ein anderer Freund, zehn Jahre älter als ich, dem ich von meiner eigenen Beobachtung meiner veränderten Haltung und Grundstimmung erzähle, lächelt und sagt dann ganz einfach:

Thinkabout, auch Du wirst langsam alt.

Gewisse Dinge muss man einfach nicht mehr hören, nicht mehr sehen. Und ich habe gerade dieser Tage gedacht, dass mir der Kontakt zur Jugend fehlt, zu Menschen, die all dies, was ich schäbig finde oder einfach rasend oberflächlich, ganz anders beurteilen, und mag es so sein, dass sie es einfach nicht anders kennen. Sie sollen gar nicht gleicher Meinung sein wie ich, das wäre ja verheerend. Sie sollen einfach den Weg wissen, wie damit umzugehen ist und das Leben doch mit Tiefe gelebt werden kann.

Ich hoffe, diese Jungen gibt es. Ihr grösster Trumpf ist wohl, dass sie nichts anderes kennen. Darum können sie meine Trübsal gar nicht blasen. Aber wie ist es, wenn man die Dinge, die mich quälen, gar nicht als Problem sieht? Wird die Welt deswegen dann besser? Oder einfach lebbar, erträglich?

Manchmal denke ich, dass unsere Generation diejenige ist, die mit der ins Unermessliche gestiegenen Informationsflut am schlechtesten umgehen kann. Die Jüngeren wachsen damit schon auf, wir aber haben noch die Zeiten erlebt, als ein Fax ein Wunder war. Heute konsumieren wir Nachrichten, nein News, Wissen, Unterhaltung, im Internet. Ungefiltert, aber sicher auch sandgestrahlt, in immer kleineren Häppchen – und für die grossen Folgen allen Tuns fehlt jede Übersicht. Wohl noch nie hatte die Menschheit so viel Wissen und hat so wenig damit anzufangen gewusst. Und abgesehen vom Überlebenstrieb fehlt im Grunde jede ethische Vorgabe. Ich finde es frustrierend schwer, sich in unserer Welt zu orientieren und heraus zu finden, wie weit man sich ihr aussetzen soll, in ihr Haltung beziehen muss und argumentieren soll – oder ob es nicht sehr viel segensreicher wäre, sich auf seinen Lebensbeitrag im Mikrokosmos zu konzentrieren und die Harmonie in seinem Innern zu suchen, der ständigen Einflussnahme und Ablenkung von aussen abgewandt…

Ein Ferienbild

∞  15. April 2014, 18:54 Kommentare [1]

Erst wenn der Alltag wieder Einzug hält, bemerke ich die kleinen Dinge, mit denen ich meine Ferien gefeiert habe. Da ist zum Beispiel die zweite Tasse Kaffee.

Zuhause gibt es sie auch, diese zweite Tasse. Und ich freue mich, wenn sie mir einfällt, weil ich mir damit was Gutes tun kann. Aber ich husche rasch weg und stelle sie dann hin, und weiter ziehen sie, die Gedanken. Irgendwann bemerke ich die Tasse wieder, und dann ist sie womöglich wenigstens halb leer, ganz sicher aber kalt.

In den Ferien ist das ganz anders. In den Ferien zeigt die zweite Tasse: Es ist gefrühstückt, Leute. Die zweite Tasse wird ausgeschenkt, wenn da kein Brötchen mehr zu streichen ist, kein Saft mehr getrunken wird, die Lebensgeister am Tisch angekommen sind und doch zu versprechen scheinen, der Tag könne durchaus endlos dauern – und zwar genau in dieser Stimmung, die nun da ist.

Diese zweite Tasse Kaffee lässt mich die Beine über einander schlagen und die Hände im Schoss falten. Ich hebe mein Kinn an und blicke tatsächlich nach vorn, bis ans Geländer, entdecke die Blumen, und dann lasse ich den Blick weiter schweifen, ohne dass er irgend was aufnehmen müsste. Er muss mir nur beim Atmen helfen, und gut is. Alles ist gut. Für anderes ist einfach kein Platz. Und aus der Tasse duftet es und das sanfte braune Rinnsal, das vom Rand nach unten tropft wird nicht weg gemacht.

Wenn der Kaffee, egal wie viel schlechter er sein mag, als zuhause, besser zu schmecken scheint als jede zweite Tasse, die ich je getrunken habe – dann haben meine Ferien wirklich begonnen.

Die teure Gesundheit

∞  14. April 2014, 20:28 Kommentare

Die Abrechnungen der Leistungen unserer Gesundheitseinrichtungen kontrollieren zu wollen, ist eine spezielle Herausforderung. Aber auch mit dem versöhnlich gestimmten Versuch, die Systematik und Linie hinter den Grundlagen dieser Leistungsberechnungen zu verstehen, muss man einfach grandios scheitern. Ein Fallbeispiel.

Uns liegen zwei Abrechnungen für eine Taxifahrt vor. Der Patient wurde in beiden Fällen mit dem Taxi vom Spital in eine Pflegeeinrichtung gefahren, bekommen haben wir vom Spital folgende Abrechnungen:
Für eine Fahrt über 3.8 km, nach Google Map mit einem Zeitbedarf von 6 Minuten – im einen Fall verrechnet zu 50 Franken. Im zweiten Fall zu CHF 150.—
Erklärend ist dabei bei der ersten Rechnung noch der Zusatz angebracht, dass der Taxifahrer 20 Min. warten musste – bei der kleineren Rechnung über 50 Franken, wohl verstanden…
Die Rechnung begleicht am Ende die Sozialgemeinschaft (die Fahrten dürften als Krankentransporte gelten und versichert sein). Diese Gemeinschaft kann derweil in der Zeitung lesen kann, dass Physiotherapeuten sich – bei schon bestehenden Hungerlöhnen – für eine moderate Tarifanpassung fünfzehn Jahre lang mit den Krankenkassen streiten mussten.

Und in der Abrechnung vom Hausarzt finden wir Telefongespräche aufgeführt – an jenem Tag, an dem er ferienhalber nicht verfügbar war.

Wenn also über Banker oder Sozialschmarotzer hergezogen wird, wage ich den Einwurf, dass es auch in der Branche der weissen Kittel nicht gerade saubermännisch zu und her geht.

Ziehen sich eigentlich einfach überall und jederzeit alle gegenseitig das Geld aus den Taschen, während man einhellig über die Steuerhinterzieher schimpft?

Oder sind wir einfach gedankenlos und klagen wir nur gelegentlich über die Sozialkosten, weil es ja alle tun, aber bestimmt niemand zurück buchstabieren möchte?

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